Muttertags-Diskussion doch ein Gewinn!

Der Kommentar von Unzensurix zur ORF-Diskussion „Karrierefrauen gegen Superglucken“ hat mich sehr verwundert und bedarf dringend einer Ergänzung. Ganz klar war die Zielrichtung schon im Titel der Sendung erkennbar. Auf der einen Seite sollten vernünftige Frauen auf der Höhe der Zeit präsentiert werden, die Beruf und Kinder mittels Kinderkrippen vereinbaren, auf der anderen Seite sollte eine neue Variante des „Heimchens am Herd“ konstruiert werden, diesmal als skurriles Luxusgeschöpf, das zwischen Baby-Yoga und Early English hin und her hetzt.

Replik von Katharina Koll, Autorin auf Leonore.at

Katharina Koll

Katharina Koll

Katharina Koll mit ihren beiden Töchtern.

Dass es der Moderatorin ganz und gar nicht gelingen würde, die Diskussion in diese Richtung zu ziehen, haben Eva Herman und Barbara Rosenkranz gleich von Beginn an klar gemacht. Die einigermaßen überforderte Ingrid Thurnher hatte überdies Pech: Eva Dichand spielte nicht die Rolle, die von ihr erwartet wurde und die anderen Damen wirkten mit ihrem belehrenden, verbissenen Ton einfach nur abschreckend. Das gab Eva Herman und Barbara Rosenkranz die Möglichkeit, überaus breitenwirksam einen Kontrapunkt zum 68er-Feminismus zu setzen. Und dieser Konflikt ist für uns junge Frauen das interessante und auch gesellschaftspolitisch hoch brisante Thema. Die Fragestellung lautet: Wahlfreiheit oder Bevormundung.

Töchter und Enkelinnen verweigern Feministinnen die Gefolgschaft

Die Feministinnen der Generation um Alice Schwarzer in Deutschland und Elisabeth Badinter in Frankreich gaben seinerzeit den Schlachtruf vor, Frauen müssten von der Mutterrolle „befreit“ werden. Der journalistische und politische Mainstream richtet sich immer noch nach dieser Doktrin. Doch jetzt, wo die Urmütter des 68er-Feminismus auf die siebzig zugehen, müssen sie erkennen, dass ihre Töchter und Enkelinnen ihnen die Gefolgschaft verweigern.

Die Feministinnen zeigen sich jedoch uneinsichtig. In der Diskussion „Im Zentrum“ war das deutlich an der Reaktion von Sabine Oberhauser zu sehen. Den Wunsch von 77 % der jungen Frauen, ihre Kinder in den ersten 3 Jahren selbst zu betreuen, tat sie als „romantische Vorstellung“ ab. Die jungen Frauen wüssten nicht was sie tun, und müssten deshalb durch staatliche Maßnahmen daran gehindert werden. Völlig ungeniert versuchte sie sogar, die staatliche Bevormundung bei der Kinderbetreuung mit dem Etikett „Wahlfreiheit“ zu versehen.

Echte Wahlfreiheit nur bei Gleichberechtigung der Lebensmodelle

Echte Wahlfreiheit gibt es aber nur, wenn beide Modelle ohne Zwang möglich bleiben: eine mehrjährige Berufsunterbrechung, ohne deswegen Existenzängste haben zu müssen, oder eine schnelle Rückkehr in den Beruf für alle, die diese Variante vorziehen.

Wenn Wahlfreiheit Schritt für Schritt durch Bevormundung abgelöst wird, verlieren wir die Möglichkeit, unser Leben nach unseren Wünschen zu gestalten. Diese immer weitere Zurückdrängung der Wahlfreiheit ist bisher nicht richtig diskutiert worden. Diesmal konnte man aber diese Positionen ganz klar erkennen. Auf der einen Seite standen Eva Dichand, Jutta Hoffritz und Sabine Oberhauser, auf der anderen, der richtigen Seite Eva Herman und Barbara Rosenkranz.

Kein Orchideenthema, sondern Schlüsselfrage der Gesellschaft

Ich verstehe schon, dass dieses Thema für viele Männer nicht im Mittelpunkt steht, aber für junge Frauen ist die Frage, ob sie ihr Wunschmodell leben können, entscheidend. Und letztlich sind die Fragen rund ums Kinder bekommen und erziehen nicht ein „Orchideenthema“ sondern die Schlüsselfrage für die Zukunft unserer Gesellschaft! Wir freuen uns daher, wenn alle Interessierten sich auf Leonore.at informieren und sich einbringen, wo wir eine Plattform bieten, auf der diese entscheidenden Fragen diskutiert werden.

Mag. Katharina Koll ist 29 Jahre alt und Mutter zweier Töchter. Sie ist Eventmanagerin, arbeitet im Familienbetrieb mit und lebt in Gerasdorf bei Wien.

Junge Frauen schreiben auf Leonore.at

Leonore.at ist ein Projekt von vorerst drei jungen Frauen im Alter zwischen 18 und 32 Jahren, die der Frauenpolitik und der Berichterstattung über Frauenanliegen neue Impulse geben wollen. Leonore.at ist eine offen konzipierte Plattform, die den üblichen feministischen Positionen, wie sie in allen konventionellen Medien verbreitet werden, Neues entgegen setzen will. Der Name Leonore.at ist inspiriert durch Ludwig van Beethovens “Fidelio”, ein Drama über Freiheit und Liebe. Der Heldin Leonore gelingt es durch Mut und Verstand, als “Fidelio” auftretend, ihren Mann aus dem Kerker zu befreien, in den er als politischer Gefangener eingesperrt wurde.

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