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Griechischer Notenbankchef befürchtet Bank Run

17. Mai 2012 - 10:52

Nach dem griechischen Staat wackelt jetzt auch dessen Bankenlandschaft. Geschätzte 700 Millionen Euro sollen Griechenlands Sparer in den letzten Tagen behoben haben. Die anstehenden Neuwahlen haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik und Stabilität ihres Landes untergraben. Experten befürchten einen Bank Run ähnlich jenem im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 1929.

„Bank Holiday“ in Griechenland?

Die Welt war in Panik geraten. Fallende Börsenkurse stürzten die Weltwirtschaft im Jahr 1929 in die erste globale Krise. Die industrialisierte Welt wurde erschüttert, es sollte Jahre dauern, ehe es wieder zu einem Aufschwung kam. Bürger versuchten bis in das Jahr 1933 hinein, ihr Erspartes zu retten, und standen in Schlangen vor den Bankschaltern. US-Präsident Franklin D. Roosevelt entschärfte die Situation mit einer kreativen und ebenso wirkungsvollen Maßnahme: Am 5. März wurden alle Bankfilialen in den USA geschlossen. Kein Geld konnte mehr behoben werden, der Bank Run war fürs Erste abgewendet. Der „Bank Holiday“, bis heute ein Feiertag, erinnert an dieses düstere Kapitale der Geschichte.

Doch nicht nur die Geschichte, auch die Gegenwart gibt Anlass zur Sorge. Griechenland und seinen Bürgern könnte eine ähnliche Situation bevorstehen. Radikale Parteien gingen aus den Wahlen als Sieger hervor, mehrere Anläufe zur Bildung einer Regierung scheiterten. Neuwahlen stehen vor der Tür. Die Bevölkerung hat ihr Vertrauen in die Politik verloren. In den letzten Tagen fanden sich Menschenschlangen vor den angeschlagenen Finanzinstituten des Landes ein. Rund 700 Millionen Euro sollen behoben worden sein. Die Sorgen der Sparer sind berechtigt. Im Gegensatz zu Hellas selbst wurden dessen Banken bereits aus dem Eurosystem ausgeschlossen. Nicht formal, aber faktisch. Griechenlands Banken benötigen Liquidität. Der erzwungene Schuldenschnitt hatte allein für die vier bedeutendsten Institute mit einem Verlust von 28 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. 

Monat der Tragödie

Mindestens einer von sieben Krediten gilt als ausfallgefährdet. Anhaltende Wirtschaftsprobleme und Rezession treiben die Unternehmen in die Insolvenz. Dazu beginnen jetzt auch noch Sparer ihr Geld abzuziehen. Regierung und Bankmanager haben Grund zur Sorge: Unter diesen Rahmenbedingungen würden die Institute einen Bank Run kaum überstehen. Dieser kann allerdings nicht ausgeschlossen werden. Präsident Karolus Papoulias berichtete gegenüber Medienvertretern: "Provopoulos (der Notenbankchef, Anm.) sagte mir, dass die Bevölkerung noch nicht in Panik ist, aber es grassiert große Angst und die könnte sich in Panik auswachsen." Papoulias sprach von einem „Monat der Tragödie“. Ohne handlungsfähige Regierung droht das Land in die Insolvenz abzurutschen. Ohne weitere Hilfszahlung kann Griechenland mit Ende Juni seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen.

Euro ohne griechische Banken

Die internationalen Geldgeber agieren mittlerweile vorsichtiger. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, empfahl griechischen Banken, sich über Notfallkredite der griechischen Zentralbank zu finanzieren. Dies ist über den ELA-Mechanismus – die „Emergency Liquidity Assistance“ möglich. Hinter dieser Empfehlung verbirgt sich eine dramatische Entwicklung: Wesentliche Institute der griechischen Finanzwelt sind von den Refinanzierungsgeschäften der EZB abgeschnitten. Die Bankenlandschaft des südlichen Staates wurde dadurch faktisch aus dem Euroraum ausgegliedert.

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