Italienisches Kommunistenblatt „Il Manifesto“ muss schließen

Einen schweren Rückschlag in der Medienlandschaft muss die italienische Linke hinnehmen. Nach mehr als vierzig Jahren muss die kommunistische Tageszeitung Il Manifesto ihr Erscheinen einstellen. Grund ist neben dem mäßigen Leserinteresse die Kürzung der italienischen Presseförderung. Die Tageszeitung, die mehr als eineinhalb Jahrzehnte vor allem gegen den rechten Medienmogul Silvio Berlusconi und seine Politik angeschrieben hatte, muss ausgerechnet unter dessen Nachfolger Mario Monti die Segel streichen.

1969 als kommunistisches Kampfblatt gegründet

Als Monatszeitung wurde Il Manifesto 1969 durch eine Gruppe kommunistischer Aktivisten gegründet. Seit 1971 erschien das Blatt täglich. Neben der Parteizeitung L`Unita war Il Manifesto das Sprachrohr der Kommunistischen Partei Italiens (PCI). Nach der Auflösung der alten PCI blieb die Tageszeitung weiterhin dem linken Lager verbunden. Eines ihrer Hauptthemen seit Anfang der neunzigiger Jahre war der publizistische Kampf gegen Silvio Berlusconi und dessen Politik. Geführt wurde die Zeitung als linke Genossenschaft.

ORF-Journalist Franz Kössler war Manifesto-Redakteur

Il Manifesto war über Jahrzehnte hinweg die italienische Kaderschmiede für linken Journalismus. Unter anderem gehörte der aus Südtirol stammende spätere ORF-Journalist Franz Kössler jahrelang zur Redaktion. Nach mehr als vierzig Jahren ist nun offensichtlich Schluss. Eine Auflage von nur 20.000 Stück, sinkende Werbeeinnahmen und die Kürzung der staatlichen Presseförderung haben Il Manifesto zur Aufgabe gezwungen. Die Zeitungsgenossenschaft befindet sich in Auflösung. Trotz Spenden- und Solidaritätsaufrufen der politischen Linken ist die Zeitung nicht mehr zu retten.

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