Song-Contest: Trackshittaz waren nur anders als die anderen

Das Wackeln mit dem Popo war für den A….! Hoffentlich spielt Ö3 diesen Song jetzt nicht mehr! Die Kommentare in den Zeitungen waren durchwegs vernichtend, nachdem die Trackshittaz schon in der Vorrunde für den Song Contest in Baku/Aserbaidschan ausgeschieden waren. Die beiden ORF-Kandidaten Lukas Plöchl und Manuel Hoffellner haben mit ihrem Rap-Rock, oder was das sein soll, und einer auffälligen Lichtshow nicht punkten können. Es war zu wenig. Viel zu wenig für den Finaleinzug, der im Vorjahr mit Nadine Beiler noch bravourös gelang.

Kommentar von Unzensurix

Trackshittaz wollten unverwechselbar sein und sonst nichts. Das allein genügt offenbar in Österreich, international muss man mehr können. Singen zum Beispiel. Singen und die Töne treffen. Das schaffte Lukas Pöchl aber schon bei der ORF-Casting-Show „Helden von morgen“, bei der er Zweiter wurde, nicht. Sein Auftreten gefiel den Juroren, seine Stimme aber war immer wieder der Kritik ausgesetzt. Warum er es trotzdem zu einem Nummer-1-Hit bei Ö3 schaffte, die Casting-Show für die Song-Contest-Teilnahme im ORF gewann und als Vertreter Österreichs nach Baku geschickt wurde, bleibt vielen ein Rätsel.

Die Ö3-Macher und die ORF-Verantwortlichen werden die Schuld am Scheitern nicht bei sich suchen. Nein, es waren wieder die Oststaaten, die sich verbündeten, um ihre Beiträge durchzubringen. Und vielleicht stellt man auch wieder die Teilnahme an solchen Bewerben in Frage. Jahrelang glänzte Österreich mit Abwesenheit. Davor mit Erfolglosigkeit, weil das Musikland Österreich seit Udo Jürgens keinen Kandidaten nominieren konnte, der das Zeug hatte, vor internationalem Publikum zu bestehen. Wackeln mit dem Popo mag lustig sein, einen Song-Contest gewinnt man damit aber nicht.

Wirkliche Talente scheuen die Castingshows des ORF

Wenn die österreichischen Teilnehmer Jahr für Jahr kläglich scheitern, liegt die Frage auf der Hand, ob die Alpenrepublik keine besseren Musikmacher hat als Typen wie Plöchl und Hoffelner. Das kann doch nicht sein. Und so ist es auch nicht. Aber die wirklichen Talente scheuen die Castingshows des ORF wie der Teufel das Weihwasser. Eine 25-jährige Sängerin stellt sich nicht ins Fernsehen und geht gegen einen 19-jährigen Newcomer, der vom Singen zwar keine Ahnung hat, dafür aber eine große Fangemeinde organisieren kann, unter. Wer beim ORF-Voting mitmacht, wird zur Kassa gebeten. Das schreckt viele ab. Sie wollen nicht bezahlen müssen, wenn sie mitentscheiden, welcher Kandidat für den Song-Contest das Rennen macht. Freunde und Bekannte eines Mitstreiters tun das diesem zuliebe. Damit wird die Abstimmung bereits verfälscht. Es gewinnt nicht der, der die beste Show liefert, sondern der, der die meisten Menschen davon überzeugen kann, beim Bezahl-Voting des ORF mitzumachen.

In die ORF-Endausscheidung muss man erst kommen. Denn Ö3, wo sich die Kandidaten bewerben können, filtert die Bewerber und schickt schließlich zehn davon zur Show auf den Küniglberg. Auch diese Vorauswahl wurde von den Künstlern schon oft kritisiert. Sie ist ihnen zu intransparent. Die Vermutung, dass Plattenbosse bereits hier Einfluss auf die Nominierten nehmen könnten, konnte nie völlig ausgeräumt werden. Auch das Voting bei der Endausscheidung, bei dem ja immer nur die Prozentzahlen bekannt gegeben werden, sorgt für einige Unklarheiten.

Will Österreich bei solchen Events wie dem Song Contest wieder erfolgreicher sein, müsste die Verantwortung dafür, wer die Kandidaten auswählt, aus den Zwängen des ORF genommen werden. Das ist zwar auch keine Garantie für einen Erfolg, aber ein anderer Weg, der zum Erfolg führen könnte.

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