Neuer ORF-Skandal: „Dorfers Donnerstalk“ verhöhnt Missbrauchsopfer

Der Bildungs- und Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks treibt in regelmäßigen Abständen äußerst seltsame Blüten. Gab es nach dem Tod Jörg Haiders in Stermann & Grissemanns „Willkommen Österreich“ eine geschmacklose Parodie darüber, so folgte der nächste Höhepunkt in der ORF-Sendung „Dorfers Donnerstalk“. Darin wurden die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche thematisiert – auf eine für die Opfer wohl nicht mehr zu übertreffende verhöhnende Art und Weise.

In einer Szene der in Oslip in Burgenland aufgenommenen Folge mit Kabarettist Alfred Dorfer, taucht der Schauspieler Roland Düringer in der Gestalt des Heiligen Nikolaus auf und fordert einen Buben auf, sich vor ihm niederzuknien. Dann filmt die Kamera von hinten. Kein Zweifel besteht, dass hier Oralverkehr zwischen dem Nikolaus und dem minderjährigen Kind dargestellt werden soll.

Auch die übrige Sendung strotzt vor Geschmacklosigkeiten: Roland Düringer betritt als Kardinal verkleidet die Bühne und wird von Dorfer gefragt, ob es in der Kirche auch Kondome mit Weihrauchgeschmack gibt. Düringer verkörpert jedoch nicht irgendeinen Bischof, sondern Bischof Ratzinger – den Sohn des Papstes. Dazwischen das Kind – es soll den Enkel des Papstes spielen. Während sich die beiden „Künstler“ rund zehn Minuten über die Sexpraktiken und Skandale der Kirche auslassen, steht das Kind zwischen Dorfer und Düringer auf der Bühne.

Sätze wie „Der Bischof von Vorarlberg bricht nicht nur jeden Sonntag das Brot, sondern den Kindern die Rippen.“ oder „Warum verbrannte die Kirche rothaarige Frauen?“ – „Weil sie einfach schiach sind.“ ziehen sich durch die ORF-Skandalsendung. Erst nach dem Bericht einer Tageszeitung zog Generaldirektor Alexander Wrabetz gestern Konsequenzen. Er ließ die von der zuständigen Redaktion bereits freigegebene Sendung im letzten Moment zensurieren und einige möglicherweise strafbaren Szenen herausschneiden. Die Zuseher bekamen gestern um 22.00 Uhr nur mehr eine abgespeckte Version zu sehen.

Auslöser dafür war wohl auch der FPÖ-Abgeordnete Dr. Andreas Karlsböck, der gestern eine Sachverhaltsdarstellung wegen Herabwürdigung religiöser Lehren an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt hat. Er sieht die Darstellungen als deutliche Überschreitung des Rahmens der zulässigen Meinungsäußerung. „Der Heilige Nikolaus als einer der wichtigsten Heiligen der katholischen Kirche, wird als Straftäter dargestellt, der eine geschlechtliche Nötigung begeht. Dadurch wird ein gesetzlich zulässiger Brauch und eine Person – der Heilige selbst – welche durch die katholische Kirche verehrt wird, herabgewürdigt“, so der Abgeordnete, der glaubt, dass der „Deckmantel der Kunst“ in diesem Fall nicht vor Strafe schützt.

Foto auf der Startseite: © e&a film gmbh

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