Stiftungsstreit: Die Hintermänner treten nach vorne

Langsam lichten sich in der Causa der „Gertrud Meschar Privatstiftung“ die Nebel. Die Medien stellen grundsätzlich zwar richtige Fragen – aber den falschen Leuten. Martin Graf hat bereits klipp und klar beantwortet, warum Frau Meschar eine Stiftung gründen wollte, warum Umschichtungen im Vermögen vorgenommen wurden, warum die Stifterin heute wesentlich mehr Ertrag von ihrem Vermögen hat als vor der Stiftungsgründung und warum er selbst sich bereit erklärt hat, für diese Stiftung unentgeltlich zu arbeiten: Weil er mit Frau Meschar langjährig befreundet ist und den Zweck der Stiftung für einen richtigen hält.

Zumindest diese zentrale Frage nach dem Motiv einer unentgeltlichen Tätigkeit hätten zahlreiche Journalisten am Freitag auch jemand anderen stellen können: dem Wiener Rechtsanwalt Alexander Hofmann, der in einem „Hintergrundgespräch“ einige alte Vorwürfe gegen Graf aufwärmte und neue erhob. In manchen Zeitungen wird er als „Anwalt von Gertrud Meschar“ betitelt, in anderen überhaupt nur als Wirtschafts- und/oder Stiftungsexperte. Nirgends steht, dass dieser Rechtsanwalt einer der drei neuen, von Frau Meschar vorgeschlagenen Stiftungsvorstände werden soll. Das lag nicht an Hofmann. Wie Unzensuriert.at erfuhr, machte er im Mediengespräch daraus keinen Hehl. Die Medien interessierte es einfach nicht, hätte es doch der öffentlichen Darstellung der von Hofmann geäußerten Angriffe auf Graf an Schärfe genommen und sie in ein anderes Licht gerückt. Daran haben Journalisten in diesen Tagen kein Interesse.

Hofmann lebt vom Erben und Stiften

Doch angesichts der Vorwürfe Hofmanns gegen Graf wird die Frage immer spannender. Hofmann ist der Meinung, Meschar sei schlecht beraten gewesen, ihr Vermögen in eine Stiftung einzubringen, denn das zahle sich erst ab zehn oder zwanzig Millionen Euro aus. Doch selbst will der Anwalt der superreichen Stifter nun in den Vorstand dieser aus seiner Sicht viel zu kleinen Institution. Hofmann, der – wie Martin Graf wohl nicht zu Unrecht vermutet – schon jetzt durch die anwaltliche Vertretung Meschars Geld an der alten Dame verdient, ist bisher weder als engagierter Tierschützer noch als Förderer der wissenschaftlich-medizinischen Forschung aufgefallen, sodass man ein besonderes Interesse vermuten könnte, sich für den Stiftungszweck unentgeltlich zu engagieren. Der noch heute als  2. Stellvertreter der Bundessprecherin aktive Politiker des Liberalen Forums kandidierte bei der Nationalratswahl 2008 auf Platz sechs der Bundesliste und übte die Funktion des Justizsprechers aus. Als Anwalt weist er das Erb- und Verlassenschaftsrecht sowie das Stiftungsrecht als zwei von vier Spezialgebieten aus. Auch das spricht dafür, dass sein Interesse an der Beratung der 90-jährigen Gertrud Meschar rein wirtschaftlicher Natur ist. Für Graf steht jedenfalls fest, dass Hofmann seine Mandantin kaum kennt: "Der Lifestyle, den Frau Meschar gepflogen hat und wohl noch immer pflegt, richtet sich vor allem nach ihren geliebten Katzen, deretwegen sie ihr Haus nie länger als einige Stunden verlässt. Das dürfte Hofmann entgangen sein, als er versucht hat, möglichst medienwirksam aufzuzählen, was ihr der aktuelle Vorstand angeblich alles vorenthalten würde."

Bürgerinitiative-Sprecher drückt KPÖ Respekt aus

Hofmann ist nicht der Einzige, der sich fortan unentgeltlich der Leitung der Gertrud Meschar Privatstiftung widmen möchte. Die beiden anderen sind bisher nicht an die Öffentlichkeit getreten, Unzensuriert.at sind die Namen jedoch bekannt. Einer davon ist Arno Aigner, in Wien-Penzing wohnhafter Sprecher einer „Bürgerinitiative Alte Donau“. Gegenüber Unzensuriert.at begründet er sein Engagement in der Wohngegend von Frau Meschar damit, dass er selbst „bei seiner Lebensgefährtin“ an der Alten Donau wohne. Die Initiative kämpft gegen die Verbauung durch mehrstöckige Bauten mit Luxuswohnungen. Wozu Aigner selbst als Stiftungsvorstand die Kontrolle über eines der dort gelegenen Grundstücke gewinnen möchte, bleibt unklar. Deutlicher tritt hingegen seine politische Schlagseite hervor. Fühlte sich die Bürgerinitiative zunächst bei den Grünen gut aufgehoben, so erfolgte mit deren Regierungsbeteiligung offenbar ein Bruch. „Die Grünen haben unser Anliegen immer unterstützt. Seit sie aber in der Stadtregierung sitzen, wollen sie praktisch nichts mehr von uns wissen“, beklagt Aigner im Oktober 2011 im Falter. Doch neue Verbündete sind schnell gefunden: „Sie sind die ersten, die sich offensichtlich Details der nicht nur von Bezirkspolitikern ‚gefeierten‘ neuen Flächenwidmung nicht nur angesehen, sondern auch durchschaut haben und sich auch trauen, diese Feinheiten exakt auszuführen, so wird die Wahrheit endlich ans Licht gebracht; Kompliment und Respekt“, zeigt sich Aigner im Dezember 2011 in einem Leserbrief an die Redaktion des Kaktus begeistert. Der Kaktus ist die Zeitung der KPÖ Donaustadt.

Baurechtsexperte als Dritte(r) im Bunde

Falls gar – entgegen den hehren Zielen der Bürgerinitiative – geplant sein sollte, im Rahmen der Stiftung selbst einmal Bautätigkeiten an der Alten Donau zu entwickeln, so kommt der Dritte im Bunde der Vorstandsanwärter dazu wie gerufen: Honorarprofessor Heinrich Geuder, 76-jähriger pensionierter Leiter der Wiener Baupolizei sowie des Unabhängigen Verwaltungssenates. Geuder hat zahlreiche Fachpublikationen zum Thema Baurecht geschrieben. So mancher Text stammt aber auch aus der Feder einer Henrietta Geuder. Dabei handelt es sich nicht um Geuders Ehefrau oder Tochter.

Graf erwartet von neuen Beratern nichts Gutes für Meschar

Für Martin Graf, der bis zum Ende des nun laufenden Verfahrens in der Stiftung bleiben will, lässt das neue Beraterumfeld für Frau Meschar jedenfalls nichts Gutes erwarten: "Wenn Frau Meschar jetzt tatsächlich – wie von ihrem Anwalt behauptet – auf jeden Luxus verzichten muss, dann liegt dies gewiss nicht an der Stiftung, sondern eher an ihrem neuen Beraterumfeld", hält Graf fest und hebt auch hervor, dass ihr zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes neben den Erträgen der Stiftung auch eine stattliche Pension und ihr nicht in die Stiftung eingebrachtes Vermögen zur Verfügung stünden – Nachsatz: „welches hoffentlich nicht in den letzten sechs Monaten abgezockt wurde“.

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