Anhänger der Frankfurter Schule beseitigte Demokratie auf den Malediven

Die Malediven sind in vielerlei Hinsicht ein besonderes Land: Sie bestehen aus rund 1200 Inseln, die kaum höher als einen Meter aus dem Meer ragen. Daher sind sie vom steigenden Meeresspiegel besonders bedroht und werden in den nächsten hundert Jahren voraussichtlich verschwinden. Es gibt kaum ein religiös so einheitliches Land: Die Bewohner der Malediven sind zu 100 Prozent sunnitische Moslems, andere Religionen sind nicht zugelassen. Der fundamentalistische Islam ist sehr verbreitet.

30 Jahre lang wurde die Inselgruppe von Präsident Maumoon Abdul Gayoom diktatorisch regiert. 2008 fanden erstmals demokratische Wahlen statt, die der Anführer der Oppositionspartei, Mohamed Nasheed, gewann. Damit waren die Malediven eines der wenigen islamischen Länder, die den Übergang zur Demokratie geschafft hatten. Nasheed setzte in seiner Amtszeit wichtige Schritte. Er engagierte sich im Kampf gegen die globale Erwärmung und verkündete einen Plan, nach dem die Malediven innerhalb eines Jahrzehnts klimaneutral werden sollten. Dazu sollten Wind- und Wasserkraftwerke entstehen. Um die Welt auf den steigenden Meeresspiegel aufmerksam zu machen, ließ er eine Kabinettssitzung unter Wasser abhalten. Er gründete außerdem eine Organisation für Länder, die besonders vom Klimawandel betroffen sind.

Nasheeds Modernisierungskurs erzürnte die Fundamentalisten

Doch Nasheed schlug nicht nur in der Umweltpolitik einen neuen Kurs ein, sondern bewegte sich auch vorsichtig in Richtung einer religiösen Liberalisierung, was ihn letztlich das Amt kostete. Ende 2011 erlaubte er im ganzen Land Spa-Anlagen, Schönheits- und Massagesalons. Dies erregte den Zorn von religiösen Organisationen, die dahinter Bordelle vermuteten und es kam zu Protesten. Nasheed wurde des Abfalls vom Islam beschuldigt. Der Präsident gab schließlich nach und machte nicht nur die Reformen rückgängig, sondern verbot auch gleich den Tourismusressorts Spa-Anlagen und Wellnessbereiche. Doch die islamistische Oppositionspartei AP unterstellte ihm weiterhin, gegen die Interessen des Islam zu handeln. Sie warf Nasheed vor, den Islam im sekundären Bildungssektor nur mehr als Wahlfach einführen zu wollen und zu planen, die „zionistische Holocaust-Philosophie“ in die Lehrpläne aufzunehmen. Verlangt wird außerdem ein Landeverbot für israelische Fluglinien. Nasheed soll bei verschiedenen Gelegenheiten antiislamische Äußerungen getätigt haben, für die es Audio- und Videobeweise gebe. Die Islamisten forderten auch die Zerstörung der Denkmäler, die nach einem Gipfeltreffen der Südasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft (SAARC) errichtet worden waren. Diese Monumente enthalten Symbole der verschiedenen Teilnehmerländer, darunter auch Buddha-Statuen, welche die Fundamentalisten nicht ertragen können. Einige dieser Monumente wurden schon attackiert, manche zerstört. Im Jänner 2012 forderte ein religiöser Führer von Nasheed, die Todesstrafe für Hexerei und Schwarze Magie einzuführen.

Im Februar 2012 kam es unter Beteiligung von Islamisten und Polizei schließlich zum Putsch gegen Nasheed, der behauptet, unter vorgehaltener Waffe zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. Nachfolger wurde sein bisheriger Vizepräsident, Mohammed Waheed. Damit war die Demokratie nach kaum vier Jahren gescheitert, die nächsten Wahlen sind erst für Ende 2013 angesetzt. Der entmachtete Nasheed rechnet damit, dass sich bis dahin wieder eine Diktatur etabliert haben wird.

Islamist gibt in den deutschen Medien den linken Philosophen

Der Putsch unter Beteiligung Waheeds ist peinlich für Frank Schirrmacher, den Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Waheed fast genau ein Jahr davor, im Februar 2011, ausführlich interviewte. Waheed ist nämlich der erste Doktor der Malediven und hat ausgerechnet über den Philosophen Jürgen Habermas dissertiert. Dadurch ist er natürlich prädestiniert als Liebkind eines Mainstream-Journalisten. Unter dem Titel „Die Malediven als Demokratiemuster – Nur ein Habermas kann uns retten“ stellte ihm Schirrmacher harmlos-unkritische Fragen und gibt sich mit nichtssagenden Antworten zufrieden. Waheed präsentiert sich als linksintellektueller Vorzeigedemokrat, und Schirrmacher geht ihm bereitwillig auf den Leim. Ein Jahr später hat der Habermas-Anhänger eine demokratische Regierung beseitigt und regiert sein Land in saudiarabischer Manier.

Kaum weniger naiv verhält sich aktuell Der Standard im Gespräch mit dem gestürzte Ex-Präsidenten Nasheed. Er darf zwar beklagen, dass durch seinen Nachfolger die Demokratie wieder abgeschafft werden soll, das grundlegende Problem, das Demokratie auf Dauer verhindert, wird jedoch elegant umschifft: Der fundamentalistische Islam, der die Malediven beherrscht, findet mit keinem Wort Erwähnung – weder durch Nasheed noch durch den Standard-Journalisten

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