Wiener Straßenzeitung Augustin bald endgültig hin?

Die seit 1995 herausgegebene Straßenzeitung Augustin steht in Wien vor dem möglichen Aus. Ganze 100.000 Euro pro Jahr fehlen laut Medienberichten. Die alle 14 Tage erscheinende Straßenzeitung kämpft ums Überleben. Grund sind laut Mitteilung der Herausgeber stark sinkende Verkaufszahlen. Die Interpretationen, warum dies so ist, gehen allerdings auseinander. Während die Herausgeber dies als Resultat eines „Antiziganismus“ bewerten, diagnostizieren andere Konkurrenz durch „falsche Augustin-Verkäufer“, die auf der sozialen Welle mitschwimmen wollen. Dass diese Umsätze dann den echten Augustin-Verkäufern abgehen, scheint auf der Hand zu liegen. Bereits letztes Jahr gab es Warnungen vor der „Bettelmafia“, die den offiziellen Augustin-Verkäufern Konkurrenz macht.

Antiziganismus“ wird verantwortlich gemacht

Die Crew des Augustin sieht primär „systematische Versuche, den Straßenzeitungsverkauf einzudämmen,“ als Ursache für den Leserschwund. Vor allem seit vermehrt Roma aus Bulgarien und Rumänien als Augustin-Verkäufer tätig sind, würde der Verkauf behindert. Dies sei auf den in Österreich verbreiteten „Antiziganismus“ zurückzuführen. Augustin halte aber weiter an diesen Verkäufern fest.

Viele „falsche“ Augustin-Verkäufer seit 2011

Nicht eingegangen wird in der offiziellen Stellungnahme auf die „Bettelmafia“, die seit 2011 ein zunehmendes Problem für den offiziellen Straßenzeitungsvertrieb darstellt. Im vergangenen Jahr war der Verband der Wiener Straßenzeitungen an die Öffentlichkeit gegangen, weil „falsche“ Zeitungsverkäufer den Markt aufgerollt hatten. Allein im Umland von Wien wurden 50 falsche Kolporteure ausfindig gemacht. Diese vertrieben gestohlene oder gefundene Exemplare des Augustin und verkauften diese zum offiziellen Preis von 2,50 Euro, den sie für sich einbehielten. Offizielle Verkäufer müssen demgegenüber 50 Prozent der Einnahmen abliefern und stützen so das Sozialprojekt. Manche der falschen Verkäufer hatten sogar gefälschte Ausweise dabei.

Kooperationspartner von SOS Mitmensch bis Deserteurberatung

Obwohl die Straßenzeitung Augustin mit einer Reihe von Institutionen vernetzt ist, scheint dies bisher wenig zum Erfolg dieses sozialen Printprojekts beizutragen. So ist man auf der Webseite mit Organisationen wie SOS Mitmensch, Deserteurberatung, Asyl in Not, Ehe ohne Grenzen oder Ute Bock verlinkt. Der Augustin hofft nun auf Sponsoren und Unterstützer aus dem Kreis der Sympathisanten. Wenn das nichts hilft, wird man wohl wie viele andere „Sozialprojekte“ den Gang zum öffentlichen Subventions- und Fördertopf in Stadt und Bund antreten.

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