Schicksalswege vertriebener Frauen: Waltraud Böhm

Im Rahmen der Veranstaltung "Schicksalswege vertriebener Frauen" wurde die Vertreibung aus vielen bisher unbekannten Blickwinkeln beleuchtet: Die Gäste erfuhren Schicksale aus dem Mund von Frauen, die selbst als Kind vertrieben wurden, oder von deren Töchtern und Enkeltöchtern. Eine der vertriebenen Frauen, Waltraud Böhm, überlebte als Volksschulkind den berüchtigten Brünner Todesmarsch. Ihre Tochter Elisabeth Böhm fasste ihre schrecklichen Erlebnisse zusammen, die sich ausführlich auch im neuen Buch "Frauen während der Vertreibung" finden, das vom Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf und FPÖ-Vertriebenensprecherin Anneliese Kitzmüller herausgegeben wurde. Im Unzensuriert-Laden ist das Buch zum Preis von 14,90 Euro erhältlich.

Waltraud Böhms Vertreibung aus Brünn

Bereits im Schuljahr 1944/45 zeichnete sich das traurige Schicksal der Brünner Kinder ab, als Waltraud Böhm als Einzige einen Bombenanschlag auf den Luftschutzkeller überlebte, bei dem ihre gesamte restliche Klasse verschüttet wurde. Bereits vor Ende des Krieges wurden Böhm und ihre Familie von der Wehrmacht in Viehwägen ("wie Ochsen zum Schlachthof") durch verschiedenste Dörfer verfrachtet, bis sie nach der Kapitulation Deutschlands wieder die beschwerliche Heimreise nach Brünn antreten konnte.

Dort fand die Familie ihre Wohnung jedoch verschlossen und beschlagnahmt vor. Nur in Besitz ihres Handgepäcks kam die Familie bei Nachbarn unter, bis am 31. Mai 1945 sämtliche Deutschen des Ortes von der tschechischen und russischen Polizei versammelt wurden und gen Süden marschieren mussten. Wer das vorgegebene Tempo aufgrund von Schwäche oder Erschöpfung nicht mithalten konnte, wurde niedergetrampelt, geschlagen oder einfach erschossen – selbst wenn man versuchte, verletzten Verwandten zu helfen.

Zug mit Deutschen sollte gesprengt werden

Später ging es in vollkommen überfüllten Lastwägen – von denen sich die Menschen teilweise freiwillig in den Tod stürzten – zu einem Zug, der jedoch gesprengt werden sollte. Nur durch die frühzeitige Information des Zugführers, der vor der Sprengung absichtlich langsamer fuhr, konnten die Deutschen überleben, indem sie vom Zug absprangen.

Vor der Ankunft auf österreichischem Boden waren bereits viele Brünner an Erschöpfung gestorben, auch die Kinder und Kleinkinder litten Hunger und Durst und überlebten vielfach die Nächte nicht. Waltraud Böhm und ihrer Mutter wurde jedoch glücklicherweise von einer Bauersfamilie Unterschlupf und Verpflegung gewährt, bis sie sich gemeinsam mit anderen Vertriebenen auf die lange Reise nach Wien machten.

Familie fand im Allgäu wieder zusammen

Nachdem sie in der amerikanischen Zone Wiens untergekommen waren, folgte jedoch schon bald eine weitere Aussiedlung – die Amerikaner verfrachteten Böhm und ihre Mutter nach Leinzell in Deutschland. Für Waltraud Böhm und ihre Familie nahm der Schrecken ein glückliches Ende: Sie konnten sogar den Vater wiederfinden, den es über zahlreiche Umwege in den Allgäu verschlagen hatte. Viele ihrer Landsleute kamen hingegen nicht mit heiler Haut davon und hatten nie die Gelegenheit, in einer friedlicheren Zeit über ihren Leidensweg zu sprechen.

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