Front National bei Frankreich-Wahl als Zünglein an der Waage

Spannung herrscht in Frankreich vor dem ersten Durchgang der Parlamentswahlen am 10. Juni 2012. Er ist die erste Bewährungsprobe für den neuen sozialistischen Präsidenten Francois Hollande. Nach einem knappen Monat im Amtmüssen sich Hollande und seine Parti Socialiste (PS) erneut dem Wähler stellen. Nun geht es darum, ob der mit deutlicher Mehrheit als Präsident gewählte Sozialist auch im französischen Parlament eine entsprechende Mehrheit für seine Politik erhält. Verfehlt er diese, droht im das schwierige Modell der "Cohabitation", d.h. er steht einer gegnerischen Mehrheit gegenüber. Über die Mehrheiten im zukünftigen Parlament wird vor allem das Abschneiden des Front National (FN) als dritter Kraft in Frankreich entscheiden.

Hollandes Schicksal hängt von Parlamentswahlen ab

Zu erwarten ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hollandes PS und der bisherigen bürgerlichen Regierungspartei UMP. Durch das Mehrheitswahlrecht, das in Frankreich herrscht, ist aber nur eine unscharfe Prognose über die Sitzverteilung möglich. Einerseits ist entscheidend, ob die Präsidentenmehrheit Hollands auch für die Sozialisten als Parlamentspartei mobilisierbar ist. Zusätzlich kommt es darauf an, inwieweit die nach dem Abgang Sarkozys führungslose UMP ihre Anhänger mobilisieren kann. Auch das Votum der Anhänger des politischen Zentrums von François Bayrou wird darüber entscheiden, ob sich das Barometer nach links oder rechts dreht. Zuletzt unterstützte Bayrou Hollande in der Präsidenten-Stichwahl gegen Sarkozy.

Le Pens Front National als dritte Kraft

Sehr viele Wahlkreise werden deshalb erst im zweiten Wahlgang vergeben werden, da sich der Front National unter Marine Le Pen durch den Erfolg bei der Präsidentschaftswahlen mit landesweit 18 Prozent zu einer ernstzunehmenden dritten Kraft im politischen System Frankreichs entwickelt hat. In einer ganzen Reihe von Wahlkreisen könnten FN-Abgeordnete nach dem zweiten Wahlgang ins Pariser Parlament einziehen, – in anderen könnten die FN-Wähler darüber entscheiden, ob Sozialisten oder Bürgerliche gewählt werden. Eine der erfolgreichsten FN-Kandidaten könnte die Enkelin von Jean-Marie Le Pen, Marion Le Pen sein, die in der Provence kandidiert.

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