Umstrittener Bürgermeister Jachs lässt sich von ÖVP-Freunden entlasten

Die Song-Contest-Teilnahme der Trackshittaz hat Österreich nicht nur einen peinlichen letzten Platz beschert, sondern dem Bürgermeister der Heimatstadt von Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner, Christian Jachs (ÖVP) aus Freistadt, beinahe den Kopf gekostet. Jachs reiste nach Baku, lud Begleiter von Gratismedien dazu ein und schwieg dann lange Zeit, wer die Kosten dafür getragen hat. Spät, aber doch bekam er ausgerechnet von ÖVP-Vizebürgermeister Franz Kastler und dem Freistädter ÖVP-Parteichef Christian Hennerbichler einen Persilschein ausgestellt.

Sie sagten gegenüber der Presse, dass Jachs seine Reisekosten selbst bezahlt habe, für jene seiner Begleiter seien Sponsoren aufgekommen. Der Prüfungsausschuss im Gemeinderat hätte einstimmig eine „transparente und nachvollziehbare Finanzierung“ ohne Steuergeld festgestellt. Von Intransparenz oder gar heimlicher Finanzierung könne also keinesfalls die Rede sein. Ob der Freistädter Bürgermeister, der sogar schon mit Rücktritt spekulierte, doch der Kronen Zeitung sagte, dass „mein Rücktritt Freistadt um Jahre zurückwerfen würde“, ohne Schaden aus der Baku-Affäre herauskommt, bleibt zu bezweifeln. Kurios ist allein schon die Tatsache, dass die Prüfer aus den eigenen ÖVP-Reihen kamen und nicht unabhängige Personen mit der Untersuchung beauftragt wurden. Weiters bleibt die Frage im Raum, warum Christian Jachs unbedingt nach Baku, Aserbaidschan, musste, obwohl er dort erst ankam, als die Trackshittaz bereits seit vier Tagen aus dem Bewerb ausgeschieden waren. Und: Warum schwieg der Bürgermeister so lange über die Finanzierung der Reise, wenn eh alles in Ordnung ist?

Krone: "Politiker-Dienstreise zum Song Contest"

In Oberösterreich hat die Baku-Affäre rund um den Freistädter Bürgermeister jedenfalls für ein kräftiges Rauschen im Blätterwald gesorgt. Die Tageszeitung Heute titelte: „Freistädter Bürgermeister ließ sich Song-Contest-Reise zahlen … und kam vier Tage zu spät, um Lukas Plöchl live auf der Bühne zu sehen“. In der Kronen Zeitung war von einer „Politiker-Dienstreise zum Song Contest!“ zu lesen. In dieser Zeitung gab Jachs dann auch ein ausführliches Interview und nahm zu den Vorwürfen Stellung. Die Krone stellte fest: „Zunächst stand im Raum, es sei eine Dienstreise. Sie haben unserer Kollegin Sabine Traninger in Baku erklärt, Sie hätten Ihre Begleiter eingeladen. Erst zu Hause, als Kritik einsetzte, sprachen Sie von Sponsoren. Die Sie zunächst nicht nennen wollten.“ Darauf der Bürgermeister: „Weil einige nicht in der Zeitung stehen wollten.“

Jachs profitierte von Kapeller-Rücktritt

Interessant auch die Frage, ob diese Unternehmen in Geschäftsbeziehung zur Stadt stünden? „Nur teilweise, die Firma Ettinger zum Beispiel hat den Granit unter dem Freistädter Hauptplatz untersucht“, so Bürgermeister Jachs zur Krone. Mit Unvereinbarkeit habe das nichts zu tun, er, Jachs, sei alles, nur nicht käuflich. „Und ich bin kein schlechter Hund.“ Die ÖVP schweigt zu all den Vorfällen. Das war in Oberösterreich nicht immer so:  Den Vertriebenensprecher der ÖVP im Nationalrat, Norbert Kapeller, hatten die Schwarzen rasch geopfert, nachdem seine Frau beim Parken mit einem Behindertenausweis erwischt worden war. Sein Rückzug aus dem Nationalrat sicherte Christian Jachs ein Mandat im Bundesrat.

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