Grant auf Granden: Alter Wein in alten Schläuchen

Oft verkennen abtretende Regime den Ernst der Lage. Einige jedoch, die in Vergangenheit und Gegenwart partizipiert haben, machen sich Sorgen über die Entwicklung und Zukunft des Systems. Ein kürzlich herausgebrachtes Büchlein im Holzhausen-Verlag handelt unter dem Titel „Grant auf Granden. Gefährdet Abkehr von der Politik unsere Demokratie?“ von diesen Existenzsorgen. Doch es kommen nicht durchschnittliche Bürgerinnen und Bürger dieser demokratischen Republik zu Wort, sondern zum überwiegenden Teil ehemalige „Granden“, die auf sich selbst einen Grant haben müssten, wenn sie sich die vergebenen Chancen der letzten Jahrzehnte vor Augen führen. Aber nur wenige sind einsichtig und haben den Mut zur Selbsterkenntnis. Was bleibt ist „alter Wein in alten Schläuchen“. Davon konnte man sich auch bei der Buchpräsentation, veranstaltet von der "Vereinigung der Parlamentsredakteure", überzeugen.

Politische Systemerhalter kamen zu Wort

Wie man auf die Interviewpartner im einzelnen gekommen ist, blieb auch nach der Präsentation ein gewisses Mysterium. Faktum ist, dass man einen weitaus größeren Personenkreis angefragt hatte als schlussendlich zur Verfügung stand. Man landete dann wieder einmal bei den üblichen Verdächtigen: Barbara Prammer, Hannes Androsch, Heinrich Neisser, Wolfgang Radlegger, Heide Schmidt, Johannes Voggenhuber, Christof Zernatto. Dazu kamen weitere Systemerhalter wie die Experten Stephan Schulmeister, Armin Thurnher oder Peter Ulram. Dabei handelt es sich allesamt um Repräsentanten, die seit vielen Jahrzehnten an dieser österreichischen Demokratie herumwerken.

System finanzierte „Grant auf Granden“

Aber nicht nur die Interviewpartner sind „systemisch“. Auch die Herausgeber und die Finanziers haben einen Hang zum System. So haben Clemens Hüffel, viele Jahre Pressessprecher von ÖVP-Wissenschaftsminister Erhard Busek, und Anneliese Roher, Redakteurin der „bürgerlichen“ Presse, das System der Granden jahrzehntelang publizistisch begleitet. Und die Sponsoren – unter anderen das rote Echo-Medienhaus, der raffeisen-nahe Kurier, das Lobbyismus-Unternehmen Ecker & Partner, der schwarz-rote Glücksspielmonopolist Österreichische Lotterien oder Wiener Städtische Versicherung – sind auch alle zusammen keineswegs „systemfern“.

Alter Wein in Alten Schläuchen ist das Ergebnis

Als Ergebnis bekommt man dann bei soviel Systemnähe ein wenig spannendes Produkt serviert, was sich bereits an den Kapitelüberschriften erkennen lässt, die zum Beispiel lauten:

„Von der Zuschauer- zur Wegschauerdemokratie.“ (Heinrich Neisser, ÖVP)
„Demokratie braucht Zeit“ (Barbara Prammer, SPÖ)
„Faymann ist ein Wiederholungstäter“ (Wolfgang Radlegger, SPÖ)
„Es gibt keine österreichische Politik“ (Johannes Voggenhuber, Grüne)“
„In der Politik passieren keine Wunder“ (Christof Zernatto, ÖVP)

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