Indischer Konzern will billigere Krebs-Medikamente produzieren

Der indische Pharmakonzerns Cipla hat bekanntgegeben, künftig Medikamente gegen Krebs produzieren zu wollen, die um drei Viertel billiger sind als die derzeit üblichen Arzneimittel. Diese werden jedoch nicht selbst entwickelt, sondern von westlichen Pharmaunternehmen kopiert. Cipla rechtfertigt diese Vorgehen dadurch, dass die billigeren Medikamente Millionen Menschen in armen Ländern das Leben retten würden. Krebs-Medikamente zählen zu den teuersten Arzneien überhaupt.

Cipla wurde 2001 berühmt, als das Unternehmen begann, Kopien von Aidsmedikamenten zu produzieren. Das war legal, da es im indischen Recht kein Patent auf Medikamente gab. Der Vorsitzende des Unternehmens, Yusuf Hamied, wurde damals von den westlichen Konzernen als Dieb geistigen Eigentums bezeichnet. Er nannte sie im Gegenzug globale Serienmörder, da ihnen Profite wichtiger seien als Menschenleben. Sein Unternehmen handle aus sozialer Verantwortung und wolle, dass Medikamente für jeden, der sie braucht, verfügbar sein sollen. 

Durchbruch mit kopierten AIDS-Medikamenten

Nicht ganz in dieses selbstlose Bild passt, dass Hamieds Privatvermögen 1,75 Milliarden Dollar beträgt. Dennoch hat Cipla die jährlichen Behandlungskosten eines Aidskranken von 12000 auf 100 Dollar gesenkt. So wurde der indische Konzern zum weltweit größten Produzenten antiretroviraler Medikamente, 40 Prozent aller Aidskranken werden heute von Cipla versorgt. Indien erhielt den Beinamen „Apotheke der Welt“. Auch Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Oxfam verwenden Cipla-Medikamente. Erstere setzte sich dafür ein, dass HIV-Arzneien in einem Patentpool landen, aus dem jedes Unternehmen Medikamente produzieren darf. Der Patentpool wurde 2009 realisiert.

Medikament gegen Nierenkrebs wird nachgebaut

Seit 2005 gibt es auch in Indien Patente für Medikamente, doch Cipla hat eine Ausnahmeregelung durchgesetzt. Wenn ein lebensrettendes Medikament so teuer ist, dass die Armen es sich nicht leisten können, soll es auch künftig kopiert werden dürfen. Die erste dieser Lizenzen wurde im März dieses Jahres an den indischen Konzern Natco Pharma vergeben. Dieser darf nun das Medikament Nexavar nachbauen, das gegen Nierenkrebs wirkt und vom Konzern Bayer entwickelt wurde. Bayer hat rechtliche Schritte angekündigt. Die Gegner der Lizenzen kritisieren, dass die Herstellung von Plagiaten die Entwicklung neuer Medikamente gefährde.

Diese Lizenzvergabe für den Nachbau des Nierenkrebs-Medikaments hat Cipla offenbar den Anstoß gegeben, künftig ebenfalls Krebs-Medikamente zu kopieren. Vorsitzender Yusuf Hamied sagte: „Wir haben es in Angriff genommen, leistbare Aids-Medikamente herzustellen und ich denke, jetzt ist die Zeit gekommen, zehn Jahre später, etwas Ähnliches für Krebs zu tun.“ 

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