Maastricht vor der Kernschmelze?

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, scheint sich mit Silvana Koch-Mehrin einen Wettstreit um öffentlichkeitswirksame Inkompetenz zu liefern. Genau wie die schöne Politikerin lieferte auch er einen eher peinlichen Auftritt in einer üblicherweise (pseudo-)intellektuell angehauchten Talkshow. Thema waren der Euro und dessen Stabilität.

Den Ausführungen Ackermanns zufolge sei die gemeinsame Währung „fundamental stark“. Käme es jedoch zum finanziellen Fall Griechenlands, könnte dies zu „einer Art Kernschmelze“ führen. Naja, wie sich diese Aussagen miteinander vereinbaren lassen, liegt nicht auf der Hand. Griechenland, das wirtschaftlich noch wesentlich „kleiner“ ist als geographisch oder bevölkerungsmäßig, soll eine „fundamental starke“ Währung existentiell gefährden können? Vielleicht ist Herr Ackermann aber doch nicht so naiv wie Frau Koch-Mehrin, die tippte, die Neuverschuldung der Bundesrepublik Deutschland würde sich in etwas mehr als einer Stunde nur um 6.000 Euro erhöhen (tatsächlich sind es etwa 20 Millionen).

Das Engagement deutscher Banken und Versicherungen im maroden Balkanstaat beläuft sich auf knapp 18 Milliarden Euro. Im Fall einer griechischen „Kernschmelze“ wäre wohl, wenn überhaupt, nur mehr ein Bruchteil davon zu retten. Banken haben – im krassen Gegensatz zum Steuerzahler – folglich großes Interesse an der Rettung Griechenlands. Dennoch: Merkel, Faymann und Konsorten liefern gerne und bereitwillig „Löschwaser“. In diesem Kontext ist wohl beim Chef der Deutschen Bank Berechnung eher zu vermuten als Naivität. Wie wäre ein derartiges (Banken-)Rettungspaket zu rechtfertigen, wenn nicht dem Euro, sondern nur einigen Banken die selbstverschuldete Kernschmelze bevorstünde?

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