Burschenschafterprozess: „Kämpfer gegen Rechts“ macht Medienkarriere

Die „Büchse der Pandora“ wollte Christian J. Becker, twitternder politisch korrekter „Aufklärer“ und Burschenschafter, vor dem Landgericht Bonn öffnen: Er könne belegen, dass sein Bundesbruder Norbert Weidner, Chefredakteur des Verbandsorgans der ca. 120 Studentenverbindungen umfassenden Dachorganisation Deutsche Burschenschaft (DB), Kopf einer „rechtsextremen Geheimorganisation“ sei, eine Partei gründen wolle und Email-Konten seiner Kritiker hacke.

So drei der zahlreichen Vorwürfe, die Becker auf seinem Blog in den letzten Monaten ausstreute. Darunter klangen einige noch bizarrer: Im Dachverband übten hunderte homosexuelle Mitglieder „sexuelle Gewalt“ aus, die Zwickauer Terrorzelle „NSU“, deren Spuren sich durch das gezielte Schreddern von Akten durch den Verfassungsschutz teilweise verlieren, sei eng mit den Burschenschaften verwoben. Eine instinktsichere Platzierung: Die Zelle „NSU“ ist zurzeit Thema von Untersuchungskommissionen im Bund und in Hessen, der oberste Verfassungsschützer Heinz Fromm (SPD) musste vor Tagen wegen der „Aktion Reißwolf“ gehen.

Wie weit geht die Meinungsfreiheit?

Der Hamburger PR-Berater will seit Monaten zahlreiche Namen von verschworenen „Braunen“ und „Nazis“ öffentlich machen – so bezeichnet der Burschenschafter pauschal 1500 der rund 11.000 Mitglieder seines Dachverbands. Wer in diese Kategorie fällt, entscheidet Becker höchst selbst. Zu dem Gerichtstermin kam es, weil mehrere Burschenschafter gegen die Behauptungen Beckers juristisch vorgehen, den Anfang machte DB-Amtsträger Norbert Weidner, der in Beckers Vorwürfen falsche Tatsachenbehauptungen sah und klagte.

Beckers „Büchse der Pandora“ blieb jedoch zu, das 252 Seiten umfassende und ungeordnete Konvolut aus Zeitungsausschnitten, privaten Emails und erratischen Kommentaren des selbsternannten „Kämpfers gegen Rechts“, das er am Vorabend des Prozesses eilig dem Gericht zufaxte, blieb von der Kammer ungelesen. Sie machte in einem ca. zwanzigminütigen Schnelldurchgang, in dem der Vorsitzende mit Abstand den größten Redeanteil besaß, deutlich, dass Beckers Behauptungen „Wertungen“ darstellten und damit von der Meinungsfreiheit gedeckt seien. Beckers Vorwurf an Weidner, Straftaten zu begehen, sah das Gericht jedoch als unzulässig an, er müsse in Zukunft unterlassen werden. Der an sich unspektakuläre Prozess ist aufgrund der besonderen Umstände interessant: Becker und DB-Amtsträger Weidner sind Mitglieder derselben Burschenschaft, Becker durchlief in den letzten Monaten eine steile Karriere als „Kämpfer gegen Rechts“. Sie wurde insbesondere durch das Blitzlichtgewitter versinnbildlicht, in dem sich Becker bog und spreizte.

Enger Kontakt zu ausgewählten Medien

Der PR-Berater, den nur wenige seiner Bundesbrüder je zu Gesicht bekommen haben, tauchte nämlich erst in den letzten Monaten, quasi aus dem Off auf. Das Engagement seiner unauffälligen Hamburger Einmann-Firma, die auf PR im Gesundheitswesen spezialisiert ist, blieb bislang überschaubar. Briefe an seine „Geschäftsadresse“ werden retourniert: „Adressat unbekannt“ – offenkundig besteht genug Spielraum für ein dezidiert „politisches“, wenn auch sehr einseitig punktuelles Engagement.

In der Vergangenheit war keinerlei Mitarbeit in seiner Burschenschaft oder im Verband zu verzeichnen, Becker blieb zwei Jahrzehnte völlig unauffällig. Auffällig wurde er erst als „Kämpfer gegen Rechts“, bemerkenswert war von Beginn an der überaus enge Kontakt mit ausgewählten Medien, darunter Spiegel-Online (SPON), Zeit, TAZ und die ökonomisch mit der SPD verflochtenen Frankfurter Rundschau – also dem Ensemble der einschlägig linken „Leitmedien“. Emails von Becker, die Unzensuriert.at vorliegen, belegen ein offenbar konstruktives Nahverhältnis zum „Nazijäger“ der TAZ, Andreas Speit, einem Antifa-Journalisten, der aus linksextremen Kreisen heraus agiert. Speit und andere begleiteten fortan Beckers „Kampf“ mit aufbauenden Kommentaren und übernahmen zahlreiche O-Töne des sich sehr bald als „Sprecher“ einer „Initiative gegen Nazis“ gerierenden.

Becker im Burschenschafter-Verband völlig isoliert

Diese Initiative bestehe laut Becker aus „Richtern, Beamten und Anwälten“ und verfüge über direkten Zugang zum Hamburger „Staatschutz“. Sprecher Becker wolle in den nächsten Monaten vieles „offenlegen“, „Namen nennen“ – die Blog-Einträge bestanden jedoch in letzter Zeit aus Links auf Artikel, die aus den Neunzigerjahren datieren. Die „große Glaubwürdigkeit“ die Spiegel-Online seinem Top-Zuträger im Vorfeld des Prozesses attestierte, interpretieren aufmerksame und kritische Beobachter bereits als verdächtige Drehung zuviel. Im Verband ist Becker völlig isoliert, von einem „Deal“ des Ernährungswissenschaftlers, der sich nun in Bonn als „Anhänger der SPD“ zu erkennen gab, und den Medien ist seit langem die Rede. Der könnte so ausschauen: Becker liefert, die Medien bekommen ihre „Stories“ über ihnen verschlossen geglaubte Kreise und   können politisch punkten. Dabei inszenieren sie den Hamburger als „Kämpfer gegen Rechts“, als „Mutigen, der es allein mit der ganzen Deutschen Burschenschaft“ aufnimmt  – gute PR nennt man das wohl.

Bei den liberalen Burschenschaftern bleibt der Hamburger Verschwörungstheoretiker aber auch weiterhin Persona non grata, seit er sich im Vorfeld des Burschentages mit Drohungen aufnötigen wollte. Als „abstrus, zu abgedreht, allein auf Selbstdarstellung abzielend“ gilt das Engagement des PR-Beraters insbesondere in der liberalen „Initiative burschenschaftliche Zukunft“ (IBZ). Der Fall ist für den „Kampf gegen Rechts“ und zahlreicher seiner Figuren exemplarisch: Christian J. Becker ist gleichermaßen Produkt des Internetzeitalters wie der politisch korrekten Anti-Rechts-Hysterie in Zeiten der Krise etablierter Politik. Seine primitive – da keinerlei materiellen Aufwand und Recherchearbeit erfordernde – Form besteht in der Verleumdung und Denunziation mittels Twitter und Blogs aus rechtlichen Grauzonen heraus. Dass durch die Ausnutzung der skizzierten politischen Situation Chancen, Karrieremöglichkeiten, ja „Geschäftsmodelle“ entstehen, liegt auf der Hand. Womit wir wieder beim Blitzgewichtgewitter vor dem unscheinbaren Sitzungssaal des Bonner Landgerichts sind.

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