Volksbank erhält mit Koren vorbelasteten Ex-BAWAG-Vorstand

Einen mehrfach vorbelasteten Vorstand sollen die Österreichischen Volksbanken (ÖVAG) mit Stephan Koren erhalten. In den neunziger Jahren war Koren – Sohn des schwarzen Finanzministers – Mitarbeiter im Kabinett von ÖVP-Minister Johannes Ditz. Bereits 1998 trat er in die Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) ein. Dorthin geholt hat ihn der SPÖ-Mann Helmut Elsner. Nach dem Kauf der Postsparkasse durch die BAWAG wurde Koren dort unter tatkräftiger Hilfe seiner Partei, der ÖVP, Generaldirektor. Diese Position nutzte Stephan Koren, um die eigene Karriere im rot-schwarzen Bankenwesen Österreichs tatkräftig zu befördern. Nach der Verschmelzung der PSK mit der BAWAG übernahm er die Position des stellvertretenden Generaldirektors der Fusionsbank.

Koren war bis 2011 letzter „Überlebender“ der Ära Helmut Elsner

Obwohl „Insider“ von BAWAG und PSK, blieb Koren vom Niedergang der ehemaligen Gewerkschaftsbank scheinbar unberührt. Als das ÖVP-geführte Finanzministerium nach den Spekulationsverlusten von Wolfgang Flöttl und dem Refco-Kredit 2006 gemeinsam mit der Nationalbank daran gingen, die BAWAG zu retten, blieb Koren als ÖVP-Vertrauter dort. Er war auch am Refco-Vergleich beteiligt, in dem man mit den amerikanischen Gläubigern der Pleite gegangenen Investmentfirma eine Lösung zu Lasten der BAWAG und damit des Finanzplatzes Österreich vereinbarte, die in Summe rund eine Milliarde Euro kostetete. Im BAWAG-Prozess und im parlamentarischen Untersuchungsausschuss blieb Koren weitgehend unbehelligt, die Frage der Risiken bei der BAWAG/PSK-Fusion und der Refco-Vergleich sollten nach Willen von SPÖ und ÖVP erst später geklärt werden. Die Justiz ist bis heute einen umfassenden zweiten BAWAG-Prozess schuldig, der sich des Refco-Abenteuers annimmt. Die Säumigkeit von Politik und Justiz sicherte Koren bis 2011 als letztem Überlebenden der Ära Elsner den Platz im Vorstand der BAWAG, die nun im Eigentum von des US-amerikanischen Finanzinvestors Cerberus steht.

Ab 2011 als FIMBAG-Aufsichtsratsvorsitzender bei ÖVAG involviert

Nach seinem Ausscheiden aus dem BAWAG-Vorstand im April 2011 übernahm der ÖVP-Mann Koren den Aufsichtsratsvorsitz in der Finanzmarktbeteiligung Aktiengesellschaft (FIMBAG), die zur Überwachung des Banken-Rettungspakets eingerichtet worden war. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Hannes Androsch hat er dort die Aufsicht über die Verwaltung der staatlichen Anteile an der notleidenden Kommunalkredit. Dort dürfte es in Zukunft noch weiteren Restrukturierungsbedarf geben. Gleichzeitig war die FIMBAG auch in die Abwicklung des sonstigen Bankenhilfspaktes eingebunden, aus dem zuletzt die Volksbanken als ehemaliger 50-Prozent-Eigentümer der Kommunalkredit gerettet werden mussten.

Durch sein bisheriges Wirken scheint fraglich, ob Koren tatsächlich der richtige Mann für die Volksbanken-Rettung ist. Klar ist jedoch, dass die SPÖ/ÖVP-Regierung mit Koren einen Manager in Position bringt, über den sie aus der Vergangenheit genug weiß. Und dies macht ihn für die Zukunft leichter lenkbar.

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