Schuldirektor seit 6 Jahren ins Kammerl verbannt

Ein skurriler Fall in der Marktgemeinde Vösendorf riecht stark nach Menschenrechtsverletzung. Der Direktor der Musikschule, Karl Gottwald, wurde vom früheren Bürgermeister, Meinhard Kronister (SPÖ), in ein Kammerl zum angeordneten Nichtstun verbannt. Dort sitzt er – pflichtbewusst wie Gottwald ist – nun schon seit sechs Jahren. An dieser unwürdigen Situation änderte auch der Nachfolger von Kronister als Bürgermeister, Friedrich Scharrer, ebenfalls SPÖ, nichts.

Was um Gottes Willen hat Karl Gottwald angestellt, dass man mit einem Menschen so umgeht? Hat er gestohlen, vielleicht sogar ein Kind in der Musikschule sexuell belästigt? Weit gefehlt. Gottwald hat ein einziges „Verbrechen“ begangen: Er hat die Eltern der Musikschul-Kinder in einem Schreiben zur Gründung eines Elternbeirats animiert, weil er sich allein nicht imstande sah, gravierende Mängel – dem Vernehmen nach kaputte Heizungen und Verletzungen der Sicherheitsbestimmungen – zu beheben. Wörtlich schrieb Gottwald an die Eltern:

Daß wir an der Musikschule kaputte Heizungen vorfinden und Ihre Kinder in kalten Räumen unterrichtet werden müssen, sollte Sie auch nicht kalt lassen.

Fristlose Kündigung wegen Verletzung der Vertrauensbasis

Das genügte dem damaligen SPÖ-Bürgermeister Meinhard Kronister offenbar, um den Direktor fristlos zu entlassen. Im Schreiben an Gottwald begründete Kronister seine Entscheidung folgendermaßen:

Durch den Inhalt des Schreibens wird dem Verhältnis zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer nachhaltig die Vertrauensbasis entzogen. Es wird daher gem. § 39, Abs. 2 NÖ Gemeinde Vertragsbedienstetengesetz 1976 das mit Ihnen eingegangene Dienstverhältnis per sofort (fristlos) aufgelöst.

Diese fristlose Kündigung hielt nicht. Gottwald strengte beim Arbeits- und Sozialgericht in Wiener Neustadt eine Feststellungsklage an und bekam Recht. Sein Dienstverhältnis wurde als aufrecht bestätigt. Doch inzwischen besetzte die Marktgemeinde Vösendorf den Direktor-Posten neu. Wohl verärgert darüber, einen Prozess gegen einen Mitarbeiter verloren zu haben, setzte Bürgermeister Kronister den Schuldirektor in ein Kammerl quasi zum angeordneten Nichtstun. Bei vollen Bezügen. Damit war die Sache aber noch nicht erledigt. Jetzt erst begann eine regelrechte Prozessflut. Immer bekam Gottwald Recht. Auch die Volksanwaltschaft setzte sich mit der Causa auseinander, brachte den Fall sogar zweimal ins Fernsehen. Gebracht hat alles nichts. Außer eine finanzielle Belastung für die Gemeinde, die bis dato – so wird geschätzt – 1,4 Millionen Euro an Anwalts-, Gerichts- und Gehaltskosten für Gottwald ausgegeben hat. Steuergeld versteht sich.

Zwangsversteigerung des Schlosses Vösendorf drohte

Einmal ist die Marktgemeinde Vösendorf mit der Zahlung sogar in Verzug geraten. Gottwalds Anwalt Johannes Schuster verstand keinen Spaß: Er beantragte die Zwangsversteigerung des Schlosses Vösendorf samt Gemeindeamt. Was ihm vom Bezirksgericht Mödling auch bewilligt wurde. Bevor es dazu kam, zahlte die Gemeinde dann doch die geforderte Summe von rund 35.000 Euro.

Abgesehen von der finanziellen Belastung für die Gemeinde gibt es das menschliche Schicksal des unbescholtenen Karl Gottwald, der mit Schulbeginn 2012/13 in das siebente Jahr seiner Verbannung geht. Als „weißer Elefant“. Zum Nichtstun degradiert. Die Gemeinde spielt in dem Psychokrieg mit einem 58-Jährigen auf Zeit, wohl auch in der Hoffnung, dass er irgendwann selbst aufgibt.

Bürgermeister: "Leit tut er mir schon"

Unzensuriert.at hat SPÖ-Bürgermeister Friedrich Scharrer um Stellungnahme gebeten. Der rechtfertigte sich, dass Gottwald vehement gegen die Gemeinde aufgetreten sei. "Er hat die Musikschule fast zerstört, wir hatten viele Abgänge. Aufgrund von Vorfällen wurde er dann fristlos entlassen", so der Bürgermeister von Vösendorf. Heute, mit dem neuen Direktor blühe die Musikschule regelrecht. Auf die Frage, ob ihm Gottwald nicht leid tue, wenn er seit Jahren ins Kammerl zum Nichtstun verdonnert wird, antwortet Scharrer: "Leid tut er mir schon, aber ich habe ein Gerichtsurteil, das mich zur Beschäftigung von Herrn Gottwald zwingt. Einen anderen Job habe ich jedoch nicht für ihn."

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