Freilassung von Dutroux-Komplizin sorgt für politische Debatte

2. August 2012 - 12:21

Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des belgischen Mörders und Kinderschänders Marc Dutroux, wird vorzeitig nach 16 Jahren aus der Haft entlassen. Sie wurde 1996 festgenommen und 2004 in einem spektakulären Prozess zu 30 Jahren Haft verurteilt. Für viele ist die extrem verkürzte Haftstrafe ein Skandal. Die 52-jährige wurde verurteilt, weil sie zwei Kinder in einem Verlies verhungern ließ.

Der Fall Dutroux erschütterte in den neunziger Jahren ganz Belgien. Dutroux hatte mehrere Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 19 Jahren entführt und sexuell missbraucht sowie seinen Komplizen Bernard Weinstein und zwei von ihm entführte jugendliche Frauen im Alter von 17 und 19 Jahren ermordet. Zwei von ihm entführte achtjährige Mädchen verhungerten eingesperrt, während er im Gefängnis war. Bis heute ist unklar, wie weit sich das Kinderschänder-Netz erstreckte, dem neben Dutroux noch mehrere Komplizen angehörten. Auffällige Pannen bei Polizei und Justiz erschütterten das Vertrauen der Bevölkerung nachhaltig.

Martin wird in Klarissen-Kloster aufgenommen

Die Ex-Frau von Dutroux hatte keinen Ort gefunden an dem sie nach der Freilassung hätte bleiben können. Daher knüpfte das Gericht die Freilassung an eine Unterbringung in einem Kloster. Martin wird künftig im Kloster des Ordens der Klarissen in Malonne unweit der Stadt Namur leben. "Die Entscheidung war nicht einfach und wir haben sehr lange darüber nachgedacht", formulierte die Äbtissin des Klarissen-Ordens in einer Erklärung. Die Frau werde jedoch keine Nonne werden, betont die Äbtissin: „Das ist weder ihr Wunsch noch unserer." Sie werde im Gästetrakt des Klostergebäudes unterkommen.

Angehörige der Opfer sind empört

Der Staatsanwalt kündigte Berufung gegen die Entscheidung des Gerichts an, und auch politisch hat die Freilassung Martins in Belgien eine Debatte über die vorzeitige Entlassung und Resozialisierung von Schwerverbrechern ausgelöst. Das Urteil sorgt für reichlich Empörung, vor allem die Angehörigen der Opfer und Opferverbände kritisieren die Entscheidung stark. "Sie ist genauso schuldig wie Dutroux und sie hätte ihre Strafe bis zum Ende verbüßen müssen", sagte Lean Lambrecks, der Vater einer von Dutroux ermordeten 19-Jährigen. Martin habe die hilflosen Kinder in dem Verlies verhungern lassen. Das Gericht verbot der Frau zwar, sich den Familien der Opfer zu nähern, jedoch beklagt Jean-Denis Lejeune - der Vater eines Mädchens, das im Alter von acht Jahren von Dutroux verschleppt, vergewaltigt und dann ermordet wurde -, dass künftig nur etwa 60 Kilometer zwischen dem Aufenthaltsort der Täterin und der Opfer lägen.

Vlaams Belang fordert volles Strafmaß

Der patriotische Vlaams Belang fordert eine Abschaffung des Gesetzes über die vorzeitige Freilassung von Strafgefangenen. Gerade bei schweren Straftaten müsse die Gesellschaft die Gewissheit haben, dass die Strafsätze vollständig umgesetzt werden, und damit auch die Sicherheit, dass die Bürger für lange Zeit und in einigen Fällen dauerhaft vor den Tätern geschützt sind. Es sei unverantwortlich, dass Eltern und Geschwister der Opfer jetzt Martin direkt auf der Straße begegnen könnten. Die Gesellschaft benötige nicht verkürzbare Strafen zur Abschreckung, vor allem im Hinblick auf so abscheuliche Verbrechen wie Kindesmord.

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