Deutsche Medien jagen junge Ruderin wegen ihres Freundes | Unzensuriert.at

Deutsche Medien jagen junge Ruderin wegen ihres Freundes

Was ist ein Land in PC-Taumel und Gegen-Rechts-Hysterie imstande, einer 23-jährigen Frau und Spitzensportlerin anzutun? Die deutschen Medien haben eine entfesselte Jagd auf Nadja Drygalla eröffnet, eine Ruderin des Deutschland-Achters, der in London bei den Olympischen Spielen den siebenten Platz belegt hat. Weil ein linksextremes Internet-Portal schreibt, dass ihr Freund in der – in Drygallas Heimatbundesland Mecklenburg-Vorpommern im Landtag vertretenen – NPD aktiv sei, hat sie über Nacht das Olympische Dorf verlassen. Auf eigenen Wunsch, wie die Verantwortlichen des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) betonen. Dennoch bleibt ein überaus schaler Nachgeschmack.

Obwohl bisher kein einziges Medium in der Lage war, mit Nadja Drygalla persönlich über die „Vorwürfe“ zu sprechen, werden bereits die Urteile gesprochen. Bild-Kommentator Walter M. Straten fordert mehr als bloß den Olympia-Abschied:

Welcher Funktionär oder Trainer hat gepennt? Oder noch schlimmer: bewusst braunen Dreck unter den Teppich gekehrt? Mit der Heimreise der Athletin ist es nicht getan. Der Fall muss aufgerollt werden und Konsequenzen haben.

FAZ: Sie muss wegen der Medienhatz weg

Für FAZ-Sportredakteur Anno Hecker verbietet sich zwar eine „Charakterbewertung“ der Sportlerin, allerdings stellt auch er fest:

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte keine Wahl. Er musste die Ruderin Nadja Drygalla von ihrem Rückzug aus dem Olympischen Dorf überzeugen.

Die Begründung dafür ist besonders grotesk und perfide. Die Engländer könnten glauben, dass die Deutschen Nazis sind, weil die deutschen Medien in ihrem politisch-korrekten Wahn so viel Unfug schreiben, lässt sich der folgende Absatz in verständliches Deutsch übersetzen:

Denn in der immer schneller rotierenden Welt der verkürzten, auf Effekte ausgerichteten Kommunikation hätte die Stichwort-Kombination „junge Deutsche, Freundin eines Nazis, Mitglied des Olympia-Teams“ schnell in England und dann in aller Welt ein groteskes, aberwitziges, falsches Bild produziert, gegen das aber jede Aufklärung machtlos gewesen wäre: deutsche Sportler von Nazis unterwandert. Dazu durfte es der DOSB nicht kommen lassen.

Top-Thema in ARD und ZDF

Auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender spielten in der Hetzjagd wie gewohnt mit. Die ARD-Tagesschau vom Freitag widmete den „Vorwürfen“ eine mehr als zweiminütige Reportage und vermeldete danach kurz und knapp eine olympische Goldmedaille für den deutschen Ruder-Vierer. Im Heute-Journal des ZDF war die Story sogar der Aufmacher, wenngleich hier immerhin auch die Frage intensiv diskutiert wurde, ob man denn eine junge Sportlerin für die politischen Ansichten ihres Lebensgefährten in Sippenhaft nehmen dürfe.

Wie die an sich nicht neue Beziehung der Ruderin mit dem Rechtsextremisten plötzlich zur Olympia-Affäre wurde und sich die Medien ohne Hemmungen auf die Veröffentlichung eines anonymen linksextremen Internetportals berufen, hat Felix Menzel hier für die Sezession beschrieben. Zum Spiel gehören natürlich auch die rigorosen Zensurmaßnahmen in den Kommentarspalten der Mainstream-Medien.

Facebook-Gemeinde solidarisch mit der Sportlerin

In sozialen Netzwerken hingegen wird sichtbar, was die Bürger über den künstlichen Skandal denken. Eine Solidaritäts-Gruppe mit Nadja Drygalla hat mittlerweile mehr als 2650 Unterstützer, die Gruppe „Nadja Drygalla? Nein, danke.“ hingegen nur 117 (beides Stand 4. August 2012, 12 Uhr).

Auch unter Sportlern und Sportfunktionären mehren sich nach dem miesen Spiel des Olympia-Delegationsleiters Michael Vesper, der sich öffentlich über die Abreise der Sportlerin aus London gefreut hatte, die vernünftigen Stimmen. Martin Sauer, Steuermann des goldenen deutschen Männer-Achters, verwies nach Vespers Ausführungen sichtlich genervt auf Grundgesetz und Meinungsfreiheit. Und Walter Arnold, Vorsitzender des Rostocker Ruderklubs, dem Drygalla angehört, sagte dem Nachrichtenmagazin Focus: „Ich finde es erbärmlich, dass ein junges Mädchen in Sippenhaft genommen wird.“ An der Zerstörungswut deutscher Sportfunktionäre und Politiker hegt Arnold jedoch keine Zweifel: Er gehe davon aus, dass die Abreise der 23-Jährigen gleichbedeutend mit dem Ende ihrer sportlichen Karriere sei.

Politik und Funktionäre werden Drygallas Karriere beenden

In der Tat hat die Diskussion längst die Politik erfasst. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will sich erst noch ein Bild machen. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), hat bereits eines, das sie der Welt so ausbreitet:

Wir haben ein Fördersystem, das eigentlich aufeinander abgestimmt sein sollte. Dazu gehören zum Beispiel die Fördergruppen der Bundeswehr und der Landespolizei. Es ist völlig unvorstellbar, dass jemand aus einer solchen Fördergruppe ausscheidet und niemand, aber absolut niemand, will etwas davon gewusst haben. Das muss schonungslos geklärt werden.

Freitag spielt auf den Austritt Drygallas aus der Polizei an, nachdem dort ihre Beziehung zum Thema gemacht worden war. Ähnlich äußert sich der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU). Es habe schon damals, nämlich 2011, Gespräche zwischen Drygalla, dem Landessportbund und ihrem Verein wegen der Kontakte in die rechte Szene gegeben. Caffiers strahlendes Lächeln auf dem Foto der Verabschiedung der Olympia-Teilnehmer des Bundeslandes konnte dieses Wissen nicht trüben.

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