Saudi-Arabien: 35 Christen nach monatelangem Martyrium freigelassen

In Saudi-Arabien wurden 35 Christen wegen einer weihnachtlichen Gebetswache verhaftet sowie monatelang gefoltert und unter erniedrigenden Umständen festgehalten. Das streng islamische Königreich ließ die 29 Frauen und 6 Männer nun frei und schob sie ab. Sie waren sieben Monate lang festgehalten worden, nachdem sie im Dezember 2011 eine nächtliche Gebetswache durchgeführt hatten, berichteten christliche Medien und Nicht-Regierungsorganisationen.

Am 15. Dezember stürmte die saudi-arabische Religionspolizei das Haus und verhaftete die aus Äthiopien stammenden Christen. Bei ihrem Treffen handelte es sich um eine private Veranstaltung in einem privaten Haus, ohne jeglichen Gesetzesbruch. Einer der Festgehaltenen erklärte gegenüber der Organisation International Christian Concern (ICC), sie seien sicher nach Hause zurückgekehrt und der Meinung, dass sie nur aufgrund des von ICC und anderen Organisationen auf Saudi-Arabien ausgeübten Drucks freigelassen wurden.

Während Haft geschlagen und zur Konversion gedrängt

Die saudi-arabischen Behörden dulden keine anderen Religionen neben dem Islam. Sie betrachten Nicht-Moslems als Ungläubige. Darauf sei auch zurückzuführen, dass die inhaftierten laut ICC gedrängt wurden zum Islam zu konvertieren. Auf der ICC-Webseite heißt es, dass saudi-arabische Sicherheitsbeamte die Christen während ihrer Haft geschlagen, belästigt und bedrängt hätten, zum Islam überzutreten.

Da die inhaftierten Christen diesen Druck nicht nachgaben, wurden sie gequält. Laut Berichten von Menschenrechtsgruppen und der Kommission für Internationale Religionsfreiheit, einer US-Regierungsagentur, sei es gegenüber den 29 Frauen und 6 Männern zu sexuellen Übergriffen und sonstigen Tätlichkeiten gekommen. Die Kommission stellte fest, dass "einige der inhaftierten Männer erklärt hätten, dass sie während der Verhöre körperlichen Züchtigungen ausgesetzt waren und dass die weiblichen Häftlinge aufdringlichen und demütigenden Körperhöhlenuntersuchungen unterzogen wurden. Obwohl es zu keiner formalen Anklage kam, wurden den Häftlingen in der Folge das 'illegale Zusammenkommen' mit dem anderen Geschlecht vorgehalten. Ferner informierten die Saudi-Behörden die Sponsoren einiger der Häftlinge, dass ihre Mitarbeiter wegen illegaler religiöser Aktivitäten festgehalten würden. Man drohte den Häftlingen auch mit sofortiger Abschiebung."

Verfolgung findet nur wegen des Glaubens statt

Der Vorfall unterstreiche die harte Realität, dass es in Saudi-Arabien keine Religionsfreiheit gebe. Nicht einmal in seinen eigenen vier Wänden könne man seinen Glauben praktizieren. Jedes öffentliche Zurschaustellen seiner Religion – wenn es nicht der Islam sei – sei strengstens verboten, berichtet Jordan Sekulow, Geschäftsführer des in Washington ansässigen American Center for Law and Justice der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post. Die häufig eingesetzte Taktik von gewissen Regierungen sei es, gegen Christen Anklagen zu erheben, die laufend verändert werden. In Wirklichkeit würden sie aber nur wegen ihres Glaubens verfolgt. Saudi-Arabien gehöre zu einer Reihe von Staaten, in denen die Rechte von religiösen Minderheiten nicht geschützt werden – insbesondere jene von Christen und Juden, bedauert Sekulow weiter. Der Aktivist hofft, dass diese Fälle genug Aufregung erregen, um gegen diese Probleme in den verschieden Ländern vorgehen zu können.

Die saudische Regierung hatte der internationalen Gemeinschaft im Jahr 2006 versichert, dass die Religionsfreiheit im Königreich garantiert werde, obwohl dort nur die Ausübung der islamischen Religion gestattet ist. Dieses Versprechen scheint jedoch nicht eingehalten zu werden. Erst in diesem März verkündete der Großmufti von Saudi-Arabien, Abdul-Aziz ibn Abdullah Al asch-Scheich, dass "alle Kirchen in der Region [auf der arabischen Halbinsel] zerstört werden müssen". 

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