Heimisches Frächtergewerbe wird zum Auslandsgeschäft – Unzensuriert
Heimisches Frächtergewerbe wird zum Auslandsgeschäft

Aus dem internationalen Seefrachtgeschäft kennt man die Problemlage seit vielen Jahren. Europäische Reedereien lassen ihre Schiffe unter fremder Flagge fahren, um Steuer- und Abgabenbelastungen sowie anderen nachteiligen rechtlichen Rahmenbedingungen zu entgehen. Bevorzugter neuer „Heimatstaat“, unter dessen Flagge die Reedereien fahren, ist das afrikanische Liberia. Längst hat dieses Phänomen auch das österreichische Frächtergewerbe erreicht. Durch die immensen Belastungen durch Steuern, Abgaben, Löhne, Arbeitszeitrecht und andere Voraussetzungen sehen sich immer weniger österreichische Frächter willens und in der Lage, unter „Rot-Weiß-Rot“ die internationalen Transitrouten zu befahren. Man „flaggt aus“, d.h. man meldet seinen Firmensitz in einem anderen Land an, um so vor der heimischen Bürokratie zu flüchten.

Bald 50 Prozent der heimischen LKW unter fremder Flagge

Die Bundessparte Transport-Verkehr in der heimischen Wirtschaftskammer (WKÖ) rechnet für das Jahr 2013 bereits mit einem Anteil von 50 Prozent ursprünglich österreichischer Transport-LKW, die sich unter die Flagge eines anderen Staates „flüchten“. Vor allem die heimischen Treibstoffkosten und die Bemautung auf wesentlichen innerösterreichischen Transitrouten drücken auf die Kostenstruktur der Frächter. So liegen die Mautkosten für 320 Straßenkilometer in Tschechien bei etwa 50 Euro, in Österreich kann man mit diesem Betrag gerade einmal 43 Kilometer zurücklegen. Dazu kommt dass durch den sogenannten „Gewerbediesel“, das Tanken in anderen Ländern für Frächter, die dort ihren Firmensitz haben, weit günstiger ist als in der Alpenrepublik. Der "Gewerbediesel" ist von der Mineralölsteuer  dort teilweise entlastet. Aber auch sektorale Fahrverbote belasten das Transportgewerbe, man rechnet durch Umwegverkehr mit jährlichen Zusatzkosten von bis zu 285 Millionen Euro.

Staatliche Belastung für heimische Frächter enorm

Wie in einem Papier der WKÖ aufgelistet ist, beträgt die Steuer- und Mautbelastung der heimischen Frächter im heurigen Jahr 662 Millionen Euro. Rund 304 Millionen Euro kostet die Frächter die Mineralölsteuer, weitere 337 Millionen Euro haben diese für Autobahn- und Schnellstraßenmaut zu berappen. Und weitere 21 Millionen Euro zahlen die Transportunternehmen an KFZ-Steuer. So beträgt bei einem 40-Tonnen-Lastzug im Fernverkehr die jährliche Gesamtbelastung aus diesen drei Komponenten 55.000 Euro, während für einen 18-Tonnen-LKW für den Verteilverkehr immerhin 7.300 Euro jährlich abzulieferen sind.

Österreichische Frächter im Fernverkehr flaggen zu 100 Prozent aus“

Insbesondere im internationalen Fernverkehr kehren Österreichs Frächter deshalb  ihrem Heimatland den Rücken zu. Nach Angaben der Verkehrsgewerkschaft Vida sollen in diesem Segment österreichische LKW bereits fast zu 100 Prozent „ausgeflaggt“ sein. Die heimischen Gewerkschaften sehen durch die Abwanderung der Frächter ins Ausland vor allem heimische Sozialstandards gefährdet.

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