Medienversagen: Nicht nur im Fall Strasser

Georg Renner schreibt in der heutigen Presse einen couragierten selbstkritischen Kommentar – bis ihn im letzten Absatz doch wieder der Mut verlässt.

Es geht um Ernst Strassers eigenartiges Politikverständnis, das Auszüge aus den Gesprächsprotokollen mit britischen Undercover-Journalisten (der Kurier berichtete darüber) offenbaren. Renner gesteht ein: Österreichs Medien waren in Kern darüber informiert. Bei einer Journalistenreise ins EU-Parlament habe sich Strasser ähnlich ausgedrückt und klar gemacht: „Ich bin eigentlich nur hier, um Kontakte für meine Firmen zu knüpfen.“

Motive für die Medien-Diskretion

Die repräsentative Journalisten-Schar – ORF, NÖN, NEWS, Kurier, Standard, Bezirksblätter und eben die Presse ließen sich auf Steuerzahlerkosten in einem noblen Brüsseler Restaurant verköstigen – sah darüber hinweg. „Sei es aus falsch verstandenem Respekt, sei es, weil wir dachten, Strasser hätte im Scherz gesprochen“, versucht Renner die Motive für die allgemeine Diskretion zu deuten.

„System Niederösterreich“ muss aufgebrochen werden

Das späte Eingeständnis des Versagens würde sich durchaus Applaus verdienen, wäre da nicht der Schlusssatz: „Übrigens: Mit am Tisch saß damals auch ein Vertreter der niederösterreichischen VP.“ Den Mut, dessen Namen zu nennen, bringt Renner nicht auf, dabei beschränkt sich in dieser Affäre der Verdacht längst nicht auf Ernst Strasser alleine. Strasser ist ein Produkt des Systems ÖVP Niederösterreich, von Landeshauptmann Erwin Pröll gerne liebevoll „Familie“ genannt. Und dass die die Bundes-ÖVP hauptsächlich aus St. Pölten gesteuert wird, ist für jeden erfahrenen politischen Beobachter schon anhand des Führungspersonals klar erkennbar. Dieses System aufzubrechen, wagen die Medien bis heute nicht.

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