EZB-Chef gerät wegen Mitgliedschaft in Bankenlobby in Bedrängnis

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, muss sich nun Untersuchungen stellen, nachdem bekannt wurde, dass er Mitglied der sich sehr bedeckt gebenden "Group of 30" ist. Diese Gruppe besteht aus hochkarätigen Bankern und Wirtschaftlern, die sich regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen.

Die Mitgliedschft Draghis wurde von der Anti-Lobby-Gruppe "Corporate Europe Observatory" entdeckt und kritisiert, wie das Wirtschaftsblatt berichtete. Kenneth Haar, der sich als Beschwerdeführer an den europäischen Bürgerbeauftragten wendete, befürchtet, dass der EZB-Direktor in der Group of 30 seine Ansichten mit denen großer Investmentbanker abstimmt. Laut ihm stellt die Teilnahme Draghis einen Interessenskonflikt mit den Regeln der EZB dar.

EZB muss sich bis Ende Oktober erklären

Nikiforos Diamandouros, Ombudsmann des Europäischen Bürgerbeauftragten, hat nun die Untersuchung eröffnet und einen Brief an die EZB geschickt. Formell muss sich zuerst die Organisation – nicht Draghi selbst – erklären. Dazu hat sie bis zum 31. Oktober Zeit.

Laut eigener Beschreibung trifft sich die Group of 30 zweimal im Jahr, um "wichtige wirtschaftliche, finanzielle und strategische Entwicklungen zu diskutieren". Ihr Ziel ist es, "die internationalen Konsequenzen getroffener Entscheidungen im öffentlichen und privaten Sektor zu erforschen" sowie "die Möglichkeiten der Marktteilnehmer und Strategen zu untersuchen".

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