Belgien: Ausländer-Sexismus gegen junge Frauen

6. August 2012 - 19:54

Neun von zehn Männern die Frauen auf Belgiens Straße sexuell belästigen sind ausländischer Herkunft. Das hat die 25-jährige Filmstudentin Sofie Peeters mit ihrem Dokumentarfilm „Femme de la rue“ („Frau der Straße“) herausgefunden, der derzeit nicht nur in Belgien für viel Gesprächsstoff sorgt. Mit einer versteckten Kamera ausgerüstet hat sich die junge Frau mitten in das Anneessens-Quartier in Brüssel begeben, um dort die Belästigungen gegenüber ihr selbst zu filmen. Mehrheitlich Arbeitslose, Arme und Ausländer aus Nordafrika hätten Peeters ohne Hemmungen angebaggert – oft mit bis an den Rand der sexuellen Aggression reichenden Bemerkungen.

Deplatzierte Anzüglichkeiten wie „Schlampe“, „Miststück“ oder „geiles Luder“ bekam die junge Flämin nach eigenen Angaben „fünf- bis zehnmal am Tag“ zu hören, wenn sie an Cafés und Wirtshäusern vorbeischlenderte. Als Erstes habe sie sich die Frage gestellt, ob es an ihrem Sommerkleid und ihren halbhohen Stiefeln liege, erklärte Peeters in einem Fernsehinterview. Doch dann kam sie zu dem Schluss: Nicht sie sei zu provokant, sondern die Männer zu sexistisch. Die Männer auf der Straße sagten: „Wenn du mit deinem Freund hierher kommst, dann lassen wir dich in Ruhe“, erörterte Peeters gegenüber dem belgischen TV-Sender La Une. Viele Frauen hätten zudem ähnliche Erlebnisse gehabt, weigerten sich aber aus Angst davor, schwach zu wirken, vor der Kamera auszusagen.

Weil Peeters ihren Film just im Stadtteil Anneessens aufgezeichnet hatte, der einen besonders hohen Anteil an muslimischen Zuwanderern aufweist, wurde sie mit zahlreichen Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Die belgischen Grünen warnten vor einer Stigmatisierung aller Araber. Die militant-muslimische Gruppe „Sharia4Belgium“ bezeichnete Sofie Peeters als „billige Prostituierte“ und gab ihr selbst die Schuld an der negativen Aufmerksamkeit, die sie von Männern erhalten habe. „Es ist ihre eigene Schuld, dass sie beschimpft und belästigt wurde. Sie war ja darauf aus. Warum ist es denn so, dass Frauen sich spärlich bekleiden und ihre Gesichter bemalen? Um die Aufmerksamkeit der Männer zu erregen!“, heißt es in einem Youtube-Video der Islamisten. Die Filmstudentin kontert, sie habe die Rassismus-Vorwürfe befürchtet. „Doch es ist eine Realität: Neun von zehn Beleidigungen kommen nicht von Einheimischen. Aber diese Leute sind nicht repräsentativ für alle Maghrebiner.“

Ab September Geldstrafen für sexistische Äußerungen

Obwohl sexuelle Aggressionen auf der Straße noch immer ein großes Tabuthema in Belgien sind, haben die Behörden die Problematik jetzt offensichtlich erkannt. Ab September dieses Jahres können sexistische Äußerungen mit einer Geldstrafe von 250 Euro sanktioniert werden. Innenministerin Joëlle Milquet kündigte zudem ein Gesetz an. „Das ist ein symbolisch wichtiges Zeichen, aber es genügt nicht“, ist Sophie Peeters überzeugt. Man müsse vor allem auch auf Prävention bei den ausländischen Bürgern setzen. In Paris überlegt die Ministerin für Frauenfragen, Nadjat Valluad-Belkacem, ob das erst gerade revidierte Gesetz gegen sexuelle Belästigung und Nötigung nicht um den Straftatbestand der herabwürdigenden und beleidigenden Anmache auf der Straße erweitert werden müsse.

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