Schweizer Männerbeauftragter musste nach drei Wochen aufgeben

Im Frühjahr zog der Schweizer „Männerrechtler“ Markus Theunert mit der Herausgabe des Buches „Männerpolitik: Was Jungen, Männer und Väter stark macht“ die Aufmerksamkeit in der Schweiz, Deutschland und  Österreich auf sich. Dies sollte der Auftakt zur Übernahme seiner Funktion  als Männerbeauftragter des Kantons Zürich sein. Anfang Juli übernahm der Präsident des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen (Männer.cc) dieses Amt. Drei Wochen später musste er wegen angeblicher Unvereinbarkeiten zwischen Vereinstätigkeit und öffentlicher Funktion den Hut nehmen. Manche sehen darin einmal mehr den Beweis, dass die Geschlechterpolitik zum ideologischen Schlachtfeld wird.

Theunert war für die geschlechterpolitische Szene kein Unbekannter. Er hatte die Schweizer Männerzeitung gegründet und ist seit sieben Jahren Vereinspräsident von Männer.cc. Theunert organisierte auch den ersten Schweizer Vätertag mit. Schon vor seinem Amtsantritt ließ er mit modernen Thesen in der Fachwelt aufhorchen. In seiner Einleitung als Herausgeber zu seinem Buch reflektierte er seine Position und den zu erwartenden Widerstand:

Wie es so ist, wenn ein Neuer dazustößt: Es ist aufregend, inspirierend und verstörend zugleich. Bei manchen "Gleichstellungfrauen" mag der Zuzug gar für Empörung sorgen, zumal ja nicht klar ist, welche "Einladung" die Männer erhalten haben. […] Die männerpolitische Entwicklung ist Impuls und Provokation für die bisherige Gleichstellungspolitik. Sie ist vor allem aber ein Angebot, eine neue Ära geschlechterpolitischer Zusammenarbeit einzuläuten. […] Die Entwicklung jungen-, männer- und väterpolitischer Ansätze und ihrer institutionelle Verankerung hat durch die öffentliche Wahrnehmungsschärfe in den letzten Jahren massiv an Tempo gewonnen.

Doppelfunktion wurde für Theunert zur Fußangel

Gerade einmal drei Wochen in kantonaler Verantwortung, musste der „Männerrechtler“ Theunert auch schon wieder seinen Schreibtisch räumen. Medial wird ihm sein Eintreten für eine Novellierung des Strafgesetzbuches im Zusammenhang mit Pornographie und deren Darstellung durch Fachleute und Eltern gegenüber unter-16-jährigen Jugendlichen zum Vorwurf gemacht. Für Theunert stellt sich der Fall allerdings anders dar. In einer Stellungnahme gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit machte er den Streit um die Geschlechterpolitik der Zukunft für seinen Abgang verantwortlich.

Meine Pläne missfielen Männern, die Gleichstellung als Frauenförderung nur tolerieren, solange sie nicht wehtut. Und zu viele Frauen sehen in der Geschlechterpolitik noch immer einen Kampf von benachteiligten Frauen gegen privilegierte Männer. Für sie sind Männer, die sich für Gleichstellung einsetzen, eine Provokation, denn ihre Existenz zeigt: Die heutige Geschlechterordnung kommt beileibe nicht allen Männern zugute und schadet nicht allen Frauen. Gleichstellungsinstitutionen und Frauenorganisationen reagieren auf Gleichstellungsmänner mit einer Verteidigungshaltung. Das ist gefährlich. Denn die Zustimmung für ihre Antidiskriminierungspolitik schwindet, weil viele Männer sich benachteiligt fühlen und jüngere Frauen sich nicht von den feministischen Kämpferinnen der Generation über 50 vertreten sehen.

Feministinnen bekämpfen Konkurrenz

Aber nicht nur in der Schweiz regt sich Widerstand gegen Männerpolitik und Männerbeauftragte. Die im Geist der 68er-Bewegung in den letzten vierzig Jahren politisch links sozialisierten Feministinnen sehen in Männerpolitik und Männerbeauftragten eine echte Konkurrenz um Ressourcen, mediale Aufmerksamkeit und politische Zukunft. Dort wo es politisch möglich ist – also im Einflussbereich roter oder grüner politischer Verantwortung -, werden eingerichtete Männerabteilungen sehr oft an der kurzen Leine gehalten bzw. deren Kompetenzen und Ressourcen nach der Salamitaktik schrittweise eingeschränkt. Gleichzeitig versucht man die Männerpolitik in den Annex der Frauenpolitik zu verbannen, um so deren Ausrichtung und Entwicklung zu kontrollieren und gegebenenfalls zu stoppen.

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