Nur zehn Monate Haft für sexuellen Missbrauch

Die Tageszeitung Die Presse berichtete dieser Tage, dass Sexualdelikte neuerdings härter bestraft würden. Fassten im Jahr 2010 nur 25 Verurteilte Haftstrafen über fünf Jahren aus, so waren es 2011 bereits 44 – dies bei insgesamt leicht rückgängiger Zahl der Verurteilungen. Allerdings zeigt sich, dass die 44 härter bestraften Täter nach wie vor nur 7,3 Prozent aller Sexualstraftäter ausmachen, die von Gerichten für schuldig befunden wurden. Die meisten kommen also nach wie vor relativ billig davon, so auch jener Fußballtrainer, der zuletzt die Aufmerksamkeit auf den sexuellen Missbrauch von Kindern lenkte.

Während Ex-Sturm-Graz-Präsident  Hannes Kartnig wegen Betrugs für fünf Jahre hinter Gittern und 6,6 Millionen Euro Wiedergutmachung leisten muss und der frühere Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC), Heinz Jungwirth, für das Stehlen von Geld ebenfalls fünf Jahre Häfen ausfasste, wurde in Wien ein Fußballtrainer wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen nur zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Übergriffe auf Spieler und eigenen Sohn

Das Urteil gegen den vierfachen Familienvater, der sich zunächst an einem elfjährigen Spieler und dann am eigenen Sohn verging, finden viele nicht als gerecht. Immerhin handelt es sich, wie das Gericht feststellte, um einen „schweren sexuellen Missbrauch“. Vorgesehener Strafrahmen: ein bis zehn Jahre Haft. Der Fußballtrainer hatte während seiner Tätigkeit bei  einem Wiener Stadtligaklub einen elfjährigen Spieler sexuell missbraucht. Der Fall kam ans Licht, als der Sohn des mittlerweile Verurteilten seinen Vater anzeigte. Auch er war von seinem Vater missbraucht worden. Der Täter legte ein umfassendes Geständnis ab: „Ich bekenne mich schuldig. Es stimmt alles, was da im Strafantrag drinnen steht“, sagte er bei seiner Einvernahme im Straflandesgericht. Er habe seine Neigung jahrelang verdrängt, „bis ich Zuneigung zu diesem Spieler verspürt habe. Das war ein Schock. Ich bin auf einmal auf die Idee gekommen, dass mir Männer gefallen.“

Männer waren es nicht, vielmehr Buben. Minderjährige, die sich nicht wehren konnten. Der heute 49-jährige Mann, der den Kindern Schmerzen fürs ganze Leben zufügte, wird für einige Zeit weggesperrt. Bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren erschienen dem Gericht zweieinhalb Jahre Haft schuld- und tatangemessen. Davon wurden zehn Monate unbedingt ausgesprochen. Die restlichen 20 Monate bekam der bisher Unbescholtene auf drei Jahre bedingt nachgesehen. Zudem untersagte der Schöffensenat dem staatlich geprüften Fußballtrainer, zukünftig eine Trainertätigkeit für Minderjährige auszuüben. Außerdem muss er seine pädophilen Neigungen therapeutisch behandeln lassen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der 49-Jährige die Entscheidung akzeptierte, gab die Staatsanwältin vorerst keine Erklärung ab.

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