Terror gegen liberale Moslems: Hizb ut-Tahrir verdächtig

Russlands Moslems machen derzeit hauptsächlich negative Schlagzeilen. Erst letzte Woche flog durch Zufall eine islamische Sekte auf, die jahrelang in unterirdischen Höhlen gehaust und dort auch dutzende Kinder teilweise mehr als zehn Jahre lang gefangen gehalten hatte. Bereits Mitte Juli kam es unweit dieses Schauplatzes zu Terroranschlägen, die vermutlich von radikalen Islamisten verübt wurden.

In der russischen Republik Tartarstan wurden zwei hinterhältige Terroranschläge auf hohe Mitglieder der muslimischen Gemeinde verübt. Einer wurde getötet, der andere schwer verletzt. Die Attentate sind untypisch für die Republik, da sie als Vorzeigeregion für das harmonische Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen gilt. Valiulla Yakupov, Verantwortlicher für den Religionsunterricht in der Region Kazan, wurde vor seinem Haus erschossen. Nur einige Stunden später wurde Obermufti Ildus Faizov durch eine Autobombe schwer verletzt.

Liberale Muslime in Tatarstan in Gefahr

Der Präsident Tatarstans, Rustam Minnikhanov, meinte in einer Stellungnahme, dass die Anschläge „eine eindeutige Kriegserklärung“ gegenüber den friedlichen Muslimen in seiner Republik seien. Ein Sprecher des russischen Geheimdienstes mache die Organisation Hizb ut-Tahrir verantwortlich, die in Tatarstan die orthodoxe Variante des saudischen Wahhabi-Islams propagiert und deren Hauptquartier sich in London befindet. Mittlerweile wurden fünf Tatverdächtige festgenommen.

Faizov, der 2011 die Wahl zum Obermufti für sich entschied, versprach schon damals, mit Härte gegen die wachsende Radikalisierung in seinem Land vorzugehen. Er gilt als weltoffen und liberal. Im April warnte er noch davor, dass tausende Hassprediger im Land seien, die die ansässige Bevölkerung auslöschen wollten, um einen neuen Gottesstaat zu gründen. Als ersten Schritt, entließ er den radikalen Imam der Kul Sharif Moschee in der tatarischen Hauptstadt Kazan. Resultat dieser Aktion, war eine Spannung zwischen dem von der Regierung unterstützten Islamischen Rat und Anhängern des islamistischen Imams. Faizov machte Wahhabiten und Mitglieder der in Russland seit 2003 als Terrororganisation verbotenen Partei Hizb ut-Tahrir für die Unruhen verantwortlich.

Valiulla Yakupov, Stellvertreter Faizovs und verantwortlich für den Islamunterricht in Tatarstan, wurde vor seiner Wohnung in Kasan erschossen. Er galt als ausgesprochener Kritiker des radikalen Islam und hatte sich für ein Verbot des Wahhabismus in Russland eingesetzt, was ihn vermutlich das Leben kostete.

Mehrere Festnahmen in Tscheljabinsk

Indessen wurden auch in Tscheljabinsk fünf mutmaßliche Terroristen der verbotenen Hizb ut-Tahrir durch den Geheimdienst FSB festgenommen. In der im Uralgebirge gelegenen Stadt entstanden trotz des seit 2003 gültigen Verbots in den letzten geheime Zellen mit hunderten Mitgliedern. „Die Anhänger der radikalen Ideologie, die den Regeln der offiziellen moslemischen Gemeinden zuwiderläuft, warben neue Anhänger an und bewegten sie zu organisierten verfassungswidrigen Aktivitäten mit dem Ziel einer gewaltsamen Machtergreifung und der Änderung der verfassungsmäßigen Ordnung der Russischen Föderation durch den Anschluss eines Teils seines Territoriums an das Große Kalifat“, hieß es in einer Mitteilung des Geheimdienstes.

Von 2009 bis 2010 soll die Gruppe  wöchentlichen Religionsunterricht veranstaltet haben, die Unterlagen wurden von den Webseiten der verbotenen Organisation heruntergeladen. Die Teilnehmer mussten einen monatlichen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Das Geld, das dadurch erwirtschaftet wurde, diente ausschließlich der Unterstützung zuvor verhafteter Mitglieder der Tscheljabinsker Zelle. Gegen alle fünf nun verhafteten Mitglieder wurde Anklage wegen „gewaltsamer Machtergreifung“ erhoben, 20 Jahre Haft drohen.

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