Stöger fühlt sich für seinen falschen Doktortitel nicht zuständig

Wenn es um den politischen Gegner geht, sind vor allem die österreichischen Sozialdemokraten nicht zimperlich. Da werden schon einmal höchst private Dinge aus Familie, Ausbildungsweg oder Berufsleben an die Öffentlichkeit gespielt und parteipolitisch ausgeschlachtet. Wenn es um die eigenen Genossen oder gar die eigene Person geht, dann hüllt man sich hingegen in den Mantel des Schweigens und argumentiert damit, dass es sich – etwa bei einem Minister – nicht um den Gegenstand der Vollziehung handle. So etwa geschehen bei SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger, von dem die FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter wissen wollte, was es mit seinem Doktortitel auf der Homepage der Medizinischen Universität Graz auf sich hat.

FPÖ deckte Titelwirrwarr bei SPÖ-Spitzenrepräsentanten auf

Jüngst hatte die FPÖ wieder einmal das Titelwirrwarr, das bei SPÖ-Spitzenrepräsentanten herrscht, in Erinnerung gerufen. Unter anderem wurden Ungereimtheiten bei der Führung von Berufsbezeichnungen und akademischen Titeln bei Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Infrastrukturministerin Doris Bures oder Gesundheitsminister Alois Stöger angesprochen. Da reicht die Palette vom Universitätsprofessorentitel bis hin zum Herrn Doktor. Wenn man die Titel- und Amtsträger allerdings in parlamentarischen Anfragen damit konfrontiert, geben sie sich „formal unzuständig“.

Diplômé Alois Stöger fühlt sich für eigenen "Doktortitel" nicht zuständig

Konkret wurde SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger zur Tatsache befragt, dass die Medizinische Universität Graz ihn als "Doktor" auf ihrer Homepage führt. Stöger zeigt sich dafür allerdings unzuständig, denn er lässt dem österreichischen Nationalrat ausrichten:

In Beantwortung der vorliegenden parlamentarischen Anfrage darf ich darauf hinweisen, dass Fragen, die sich auf den Gebrauch von akademischen Titeln auf Websites oder in anderen Medien beziehen, die nicht dem Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit zuzurechnen sind und auf deren Gestaltung mir daher keine Einflussnahme zukommt, keinen Gegenstand der Vollziehung des Bundesministeriums für Gesundheit betreffen.

Ganz interesselos scheint der rote Gesundheitsminister bezüglich akademischer Titel aber dennoch nicht zu sein, führt er doch höchst offiziell den Titel „Diplômé des Hautes Etudes des Pratiques Sociales“.

Stöger trägt Titel, der von roter Arbeiterkammer und Volkshilfe mitvergeben wird

Damit schmückt sich der rote Gesundheitsminister mit einem akademischen Grad, an dem auch seine eigenen SPÖ-Genossen aus der roten Arbeiterkammer und der Volkshilfe mitgewirkt haben. Dieser „Diplômé“ Titel wird – neben der Marc Bloch Universität Strasbourg, der Johannes Kepler Universität Linz, der AWO-Akademie Helene Simon Bonn und dem Institut für projektbezogene Studiengänge – auch von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Oberösterreich sowie der Volkshilfe Österreich mitbetreut. Sozusagen ein Titel unter Genossen.

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