Ausländer tragen den Dschihad in den Kampf gegen Assad

Aaron Y. Zelin vom Washington Institute untersucht mit seinen Forschungen den Einfluss extremer islamistischer Organisationen auf den politischen Umbruch, der zurzeit in arabischen Staaten im Gange ist. Außerdem ist er im Rahmen der Terrorismusbekämpfung als Berater und Dozent an der US-Militärakademie in West Point tätig und publiziert regelmäßig in außenpolitischen Magazinen. Über die Situation Syriens und seines Präsidenten Bachar al-Assad hat Zelin auf seiner Webseite jihadology.com geschrieben, der Artikel wurde später vom Washington Institute übernommen. Unzensuriert.at veröffentlicht eine autorisierte Übersetzung.

Baschar al-Assad: Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung

Während es sich bei den meisten an der syrischen Rebellion Beteiligten um Syrer handelt, sind jetzt auch ausländische Kämpfer sehr real in Erscheinung getreten, was sowohl für das Regime wie auch für die Opposition bedenkliche Folgen haben könnte.

Als der syrische Aufstand begann, war es eine der Rechtfertigungsstrategien von Präsident Baschar al-Assad für ein hartes Durchgreifen gegen (anfangs unbewaffnete) Demonstranten, dass es sich dabei angeblich um ausländische Terroristen handle. Zum damaligen Zeitpunkt wirkte diese Behauptung lächerlich. Die überwältigende Mehrheit der Betroffenen waren Syrer, die das Joch der jahrzehntelangen Baath-Diktatur abschütteln wollten, die von Baschar und zuvor seinem Vater Hafiz al-Assad ausgeübt wurde.

Ausländische Kämpfer kamen, um Syrer zu unterstützen

Auch heute noch handelt es sich bei den meisten der an der Rebellion Beteiligten um Syrer, doch auch ausländische Kämpfer sind mittlerweile sehr real in Erscheinung getreten, was sowohl für das Assad-Regime wie auch für die syrische Opposition bedenkliche Folgen haben könnte. Die meisten ausländischen Kämpfer kamen, um ihren moslemischen  Brüdern Unterstützung in der Not zu gewähren. Sobald Sie einmal in die Kämpfe involviert waren, kamen viele von ihnen in engeren Kontakt mit Hardliner-Dschihadisten und wurden von ihrer extremen Ideologie angesteckt. Teile der ausländischen Kämpfer kämpfen daher heute schon nicht mehr für die Schaffung eines künftigen syrischen Staates, sondern hoffen vielmehr, das Land für ein viel weiterreichendes Ziel annektieren zu können: Zunächst geht es um die Gründung mehrerer Emirate, jetzt endlich jedoch zu ihrer Zusammenführung zu einem wieder zu errichtenden islamischen Kalifat, auch wenn dieses Projekt im Augenblick noch recht fantasievoll klingt.

Mediale Berichte vor Ort in arabischer und westlichen Sprachen sprechen von 800 bis 2000 Ausländern, die derzeit in Syrien anwesend sein sollen. Dies würde bedeuten, dass weniger als 10 Prozent der Kämpfer Nicht-Syrer sind. Die meisten von ihnen sind erst seit Beginn des Jahres in Syrien: Ein großes Kontingent kommt aus dem umliegenden Staaten Libanon, Irak und Jordanien, ein kleineres nordafrikanisches Kontingent stammt aus Libyen, Tunesien und Algerien. Westliche Staatsbürger hingegen dürften zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur sehr wenige vor Ort sein.

Irisch-libyscher Kommandant übersiedelte nach Syrien

Diese Söldner haben sich der Freien Syrischen Armee, aber auch diversen dschihadistischen (also extrem-islamistischen) Organisationen angeschlossen, darunter den Abdullah-Azzam-Brigaden und der Fatah al-Islam, beides Gruppen aus dem Libanon. Daneben gibt es noch weniger gut etablierte, aber ständig größer werdende Gruppen wie Jabhat al-Nusrah, die als der stärkste dschihadistische Akteur in Syrien gilt, sowie Ahrar ash-Sham. Eine weitere Gruppe, Liwa al-Umma, der zu 90 Prozent syrische Kämpfer angehören, wird von dem irisch-libyschen Mahdi al-Harati angeführt, der zuvor Kommandant der Tripolis-Brigade war, die im vergangenen Jahr dabei geholfen hatte, das Gaddafi-Regime in Libyen zu stürzen.

Diese Dschihadisten stellen somit nur einen kleinen Teil des Widerstandes, verfügen aber über Kampferfahrung aus Dschihad-Kriegen im Irak, in Afghanistan, im Jemen und in Libyen. Sie haben daher höheren Kampfwert und verfügen auch über bessere Verbindungen zu Netzwerken, die sie mit Finanzen und Waffen versorgen, als etwa die Freie Syrische Armee, die anfangs von der internationalen Gemeinschaft nur mangelhaft unterstützt worden war. Die Dschihadisten können somit als Multiplikatoren der Kampfkraft angesehen werden, ähnlich wie es im Irak am Höhepunkt des Aufstands gegen die USA der Fall war. Angehörige der Freien Syrischen Armee erklärten gegenüber den Medien, dass man sich nur widerwillig zu einer Allianz mit den über bessere Erfahrungen, Ressourcen und Technologien verfügenden Dschihadisten entschlossen hätte, da man ihre extremen Ansichten nicht teilte und auch nicht an ihre Endziele glaubte.

Dschihad.Ideologie breitet sich unter Rebellen aus

Auf diversen Online-Foren der Dschihadisten waren bereits Videos zu sehen, die zeigen, wie Dschihad-Brigaden ihre Operationen mit Soldaten der Freien Syrischen Armee koordinieren, beispielsweise in Aleppo. Auf diese Weise kommt es leicht zur Ausbreitung der Dschihad-Ideologie und zur Ausbildung von radikalen Fraktionen innerhalb der Freien Syrischen Armee. Dies könnte zur Folge haben, dass, sobald die Kämpfe gegen das Assad-Regime einmal beendet sind, sich diese verschiedenen Gruppen gegeneinander wenden, was zur weiteren Destabilisierung der Lage in Syrien führen und einer Wiedererlangung der Normalität und dem Übergang in eine bessere Zukunft nur hinderlich sein würde.

Die von den Dschihadisten ausgehende Herausforderung wird wohl noch längere Zeit bestehen bleiben. Wie man im Irak sieht, wo die Dschihadisten im Vergleich gegenüber früher eher schwach sind, blieb von ihrer kämpferischen Energie immerhin soviel Rückstand, dass sich Unruhen immer wieder aufs Neue entfachen. Es ist daher unerlässlich, dass die internationale Gemeinschaft Maßnahmen zur Eindämmung der Dschihadisten in einem Syrien nach Assad vorsieht und zudem der Opposition hilft, diese fremden und giftigen Elemente wieder zu entfernen, die für Syriens Zukunft mehr Schaden als Nutzen bedeuten.

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