ORF-Sommergespräch: Wolfs Halbwahrheit mit der Exportquote

Das Sommergespräch mit FPÖ-Obmann HC Strache war das einzige der bisherigen drei, in dem der Interviewte den Dauerangriffen der ORF-Moderators Armin Wolf standhalten konnte – und es nebenbei noch schaffte, das derzeit wohl wichtigste Zukunftsthema immer wieder ins Spiel zu bringen: die Zukunft der Währungsunion. Die Frage nach der Oppositionsführerschaft ist damit nicht nur gemessen am letzten Wahlergebnis, sondern auch qualitativ einmal mehr deutlich beantwortet.

Armin Wolf musste sich mit den kleinen Freuden zufrieden geben, etwa damit, dass HC Strache die Exportquote Österreichs nicht aus dem Kopf aufsagen konnte. Doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Argumentation, die Wolf mit der Exportquote stützen wollte, ohnehin als Foul. Diese sei nämlich, so verlas der ORF-Mann vom Kärtchen, seit dem EU-Betritt Österreichs beträchtlich von ca. 42 auf knapp 57 Prozent gestiegen. Würde man jetzt auf eine stärkere Währung – Nordeuro oder Schilling – wechseln, hätte es die exportabhängige Wirtschaft natürlich schwer, die bisherigen Preise zu erzielen. Daher schön im Euro bleiben und weiter zahlen, so die Botschaft, die jene verbreiten wollen, die auf die hohe Exportquote anspielen.

Wolf „vergaß“ auf die ebenso stark gestiegene Importquote

Was Wolf dabei unter den Tisch fallen ließ, ist, dass nicht nur die Export-, sondern auch die Importquote zuletzt beträchtlich gestiegen ist. Entgangen dürfte ihm dies kaum sein, weist doch das erste relevante Suchergebnis bei Google – die Statistik Austria – die Entwicklung beider Quoten aus. Wörtlich heißt es:

So ist etwa die Exportquote (Waren- und Dienstleistungsexporte gemessen am BIP) von 34,8% (1995) auf rund 56,6% (2011) rasant angestiegen und liegt beträchtlich über dem EU-Durchschnitt (EU27) von 43,5%. Die Importquote hat im gleichen Zeitraum von 35,8% auf 53,7% (EU 27: 42,4%) ebenfalls stark zugenommen.

Importierte Güter würden billiger, wenn unsere Währung gegenüber jener anderer Staaten aufwertet. Somit könnten jene exportorientierten Betriebe, die unter einer starken Währung leiden würden, im Gegenzug billigere Rohmaterialien und Warenbestandteile aus dem Ausland zukaufen, wodurch der drohende Nachteil zum Teil abgefedert würde. Und die Kaufkraft der Bürger würde ansteigen. Endlich würden auch die Österreicher wieder von ihrer steigenden Produktivität profitieren und nicht mehr mit stagnierenden Reallöhnen zusehen müssen, wie die Griechen, Spanier und Italiener auf das Lohnniveau der mittel- und nordeuropäischen Staaten gehoben werden, ohne deren Produktionsniveau je zu erreichen.

Die entscheidende Frage bleibt: Wollen wir weiter unlimitiert zahlen?

Somit wird deutlich: Eine neue Währung hat in Bezug auf den Außenhandel Vorteile und Nachteile. Die wesentliche Frage bleibt: Wollen wir weiter unbegrenzt für die Schulden aller anderen Euro-Staaten haften und zahlen? Die Antwort darauf hat HC Strache im Sommergespräch klar und deutlich gegeben: Wenn das Volk darüber nicht entscheiden darf, geht die FPÖ nicht in eine Regierung.

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