Die Generalsekretärin der ÖVP, Gabriela Schwarz, schwingt eine ominöse „Nazi-Keule“ gegen FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl.

Foto: Parlamentsdirektion / Thomas Topf
Der „Kickl-Rollkommando-Skandal“, der keiner ist

Wieder einmal wird versucht, den freiheitlichen Klubobmann Herbert Kickl wegen der Verwendung eines Wortes NS-Nähe zu unterstelle. Auslöser war eine Aussendung von Kickl mit dem Titel “ ÖVP versucht mit Rollkommando-Aktion über Bundesrat drüberzufahren“. Inhaltlich ging es darum, dass ÖVP-Klubobmann August Wöginger versuchte, diese Woche noch eine Sondersitzung des Bundesrates zu erzwingen.

Auf das Ablenkungsmanöver der ÖVP brauchte man nicht lange warten. Statt sich inhaltlich mit der Vorgehensweise von Wöginger auseinanderzusetzen, wurde die Nazi-Keule geschwungen, selbst wenn nicht klar ist, warum eigentlich. Die Generalsekretärin der ÖVP, Gabriela Schwarz, schrieb in einer Aussendung wörtlich: „Kickl schockiert mit unaublichem (sic!) NS-Vergleich“.

Wiener ÖVP spricht ebenso vom Rollkommando

Die Wiener ÖVP hat im Juni 2013 einen Antrag im Landtag eingebracht in dem es wörtlich heißt:

Es muss ein Rollkommando gekommen sein: Lastwagen fuhren im Jahr 1977 beim Schloss Wilhelminenberg vor. 

Der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp meinte dazu heute in einer Aussendung:

Ich bin gespannt, ob das Rollkommando der Bundes ÖVP jetzt in der Wiener Landespartei durchgreifen wird. Da davon nicht auszugehen ist, sollte die ÖVP-Sprachpolizei ihre Pseudoempörung wieder einstellen.

Kein Aufschrei, wenn APA, Krone, Presse das „böse“ Wort verwenden

Wir haben auch in den diversen Medien nachrecherchiert und das nun so heftig kritisierte Wort „Rollkommando“ in zahlreichen Artikeln der letzten Jahre gefunden. Eine Empörung der ÖVP darüber war allerdings in keinem Fall zu bemerken.

  • APA, 14.11.2011: Wiener Chefinspektor von „Rollkommando“ verprügelt:
  • APA, 30.1.2012: Im Wiener Straflandesgericht dürfte am Montag der Prozess um einen Chefinspektor der Wiener Polizei abgeschlossen werden, der am 5. Mai 2011 im Haus einer gebürtigen Russin in Wien-Donaustadt von einem „Rollkommando“ brutal zusammengeschlagen und laut Anklage auch mit dem Tod bedroht wurde.
  • APA, 13.5.2013: Tödliche Messerattacke in Wien – Jede der Gruppierungen will bereits an Ort und Stelle gewesen sein als die jeweils anderen in einer Art Rollkommando auf sie losgingen.
  • Krone, 13.8.2015: Wie ein Rollkommando fuhr die Innenministerin am Freitagabend über den Salzburger Landeshauptmann und den Walser Bürgermeister drüber. Haslauers Mahnung zur Eröffnung der Festspiele („Fürchtet Euch nicht!“) verfehlte daraufhin vollends die Wirkung, denn da flogen die Wortfetzen auch zwischen den zornigen Parteifreunden.
  • OÖN, 27.2.2017: Im vergangenen Jahr enterte ein Rollkommando der „Identitären“ das Dach des Gebäudes der Grazer Grünen.
  • Krone, 24.9.2017: Davor traf Ljubicic noch die Querlatte (31.). Bereits vorentscheidend. Denn da kam das Rapid-Rollkommando erst so richtig in Fahrt.
  • Presse, 2.11.2018: Ein Rollkommando hat am späten Montagabend ein orientalisches Restaurant in Wien Favoriten überfallen und den Besitzer sowie drei Angestellte verletzt.
  • Krone, 16.1.2019: Rollkommando in Wohnung
  • Krone, 24.4.2019: Paukenschlag im Raub-Krimi um eine AUA-Maschine Anfang April in der albanischen Hauptstadt Tirana. Wie berichtet, wollte ein Rollkommando vor zwei Wochen den Passagier-Jet überfallen und mit Geldsäcken um 10 Millionen Euro flüchten.
  • Krone, 1.8.2019: Rollkommando im Ministerium

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