Die Polit-Karriere des umstrittenen SPD-Machtpolitikers fand ein abruptes Ende.

Foto: Marco Verch / flickr.com (CC BY 2.0)
Das politische Ende des SPD-Krawallmachers Johannes Kahrs

Der einflussreiche SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs legte am gestrigen Dienstag alle seine Parteiämter und auch sein Bundestagsmandat nieder. Gleichzeitig hat er alle seine Social-Media-Anschlüsse stillgelegt.

Er selbst gibt an, dass ihn die Nichtberücksichtigung als Wehrbeauftragter des Bundestags (seine Parteikollegin Eva Högl wurde ihm vorgezogen) zu diesem radikalen Schritt bewogen habe. Der wahre Grund dürfte jedoch ein anderer sein. In den letzten Wochen waren Betrugsvorwürfe bezüglich seines Ersten Juristischen Staatsexamens laut geworden.

Telefonstreich der wahre Grund?

Um „freiwillig“ von heute auf morgen auf Macht und Einfluss und nicht zuletzt auf ein fürstliches Bundestags-Salär zu verzichten, müssen wohl schwerwiegendere Gründe vorliegen als bloßes „Beleidigtsein“. Und tatsächlich dürfte Kahrs Politik-Karriere einem Telefonstreich des YouTubers und Satirikers Klemens Kilic im April dieses Jahres zum Opfer gefallen sein. Kilic hatte – unter anderem – herausgefunden, dass möglicherweise etwas bei der Ablegung des Staatsexamens Kahrs‘ nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Und zwar wurde gemutmaßt, dass statt Kahrs einer seiner Bundesbrüder seiner Studentenverbindung die Prüfung abgelegt haben könnte (es gilt die Unschuldsvermutung.) Durch ein indirektes Eingeständnis am Telefon und der Angst vor den Auswirkungen eines Skandals dürfte Kahrs für die SPD-Fraktion nicht mehr haltbar gewesen sein, was nun zu seinem „freiwilligen“ Rücktritt geführt hat.

Kahrs terrorisierte Parteigenossin

Schon im Mai 1992 war der damals 28-jährige Kahrs in eine Telefonfalle getappt. Seine damalige Kontrahentin bei den Hamburger Jungsozialisten hatte wegen anhaltenden Telefonterrors („Ich krieg dich, du Schlampe“) eine Fangschaltung beantragt. Als nächtlicher Anrufer wurde daraufhin Kahrs identifiziert. Das folgende Gerichtsverfahren endete mit einem Vergleich. Seinem weiteren Aufstieg in der SPD-Hierarchie tat dies jedoch keinen Abbruch, wie auch zahlreiche andere zwielichtige Aktivitäten im Lauf seiner politischen Tätigkeit (im Video werden einige davon genannt).

Auf Krawall gebürstet

Kahrs war neben seinem seinerzeitigen vehementen Eintreten für die „Ehe für alle“ hauptsächlich durch seine wilden Attacken gegen die AfD-Fraktion in Erscheinung getreten. So bezeichnete er die AfD laut Parteichef Jörg Meuthen zum Beispiel als „Idioten und Dumpfbacken“, die „Ausländer raus“ schreien und den Hitlergruß zeigen. Laut Kars gehöre die AfD ohnehin verboten und AfD-Mitglieder im Staatsdienst aus diesem entlassen. Aus seinem Mund stammen im Bundestag auch zahlreiche Unflätigkeiten wie „Hass macht hässlich – schauen Sie mal in den Spiegel!“ oder „Von Rechtsradikalen brauche ich keine Zwischenfragen!“

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