Immer mehr Mediziner kritisieren das von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) umgesetzte „COVID-19-Krisenmanagement“.

Foto: https://www.scientificanimations.com / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)
Intensivmediziner kritisiert Angstmanche und mangelnde Diskussionskultur

Deutliche Kritik an der Angstmanche und der mangelnden Diskussionskultur in Sachen COVID-19 durch die Bundesregierung kommt jetzt vom Intensivmediziner Rudolf Likar. Likar, der nicht nur Arzt am Landesklinikum Klagenfurt ist, sondern auch Intensivkoordinator des Bundeslandes Kärnten, weist darauf, dass von Seiten der Verantwortlichen auf Bundesebene vor allem mit Bedrohungsszenarien gearbeitet worden ist. Damit seien auch die Ärzte in Österreich verunsichert worden.

Demgegenüber habe die von der Bundesregierung betriebene Gesundheitspolitik nicht dafür gesorgt, dass es einen echten Katastrophenplan gebe und der Mangel an Schutzkleidung und Schutzmasken für das Personal im Gesundheitswesen rasch behoben werde.

Italien wurde als Schreckensszenario für Österreich aufgebaut

Die wirkmächtigen aufgebauschten Zustände in Italien seien als Schreckensszenario für Österreich aufgebaut worden. Dabei wurde nicht differenziert und die Unterschiede der beiden Gesundheitssysteme in Österreich und Italien objektiv dargestellt. So seien etwa die viel höheren Kapazitäten von Intensivbetten in Österreich nicht entsprechend dargestellt worden.

Insbesondere die Belegzahlen und Auslastungsstrukturen in den Intensiv- und Normalstationen sei in Österreich nicht kommuniziert worden. Schwer erkrankte COVID-19-Patienten seien zwar im Schnitt 24 Tage auf Intensivstationen gelegen, in den Normalstationen kam es aber laut Likar in der Regel zu Entlassungen nach drei bis vier Tagen.

COVID-19 erhielt VIP-Krankheitscharakter

Für den Kärntner Intensivmediziner habe COVID-19 in der Öffentlichkeit auch viel zu stark einen sogenannten „VIP-Krankheitscharakter“ erhalten. So sei es zwischen COVID-19 und anderen Krankheiten zu einem massiven Ungleichgewicht bei der Relevanz im Gesundheitssystem gekommen. COVID-19 müsste als eine Krankheit von vielen beurteilt und damit umgegangen werden, so Likar.

Für den Mediziner ist jetzt vor allem eine Deeskalationsstrategie wichtig. Wenn in Regionen keine oder nur geringe Infektionszahlen auftreten, sei damit im Gesundheitssystem anders als bisher umzugehen. Likar fordert in diesem Zusammenhang vor allem auch die organisatorische Einrichtung von Intensivkrankenanstalten, die im Krisenfall sofort hochgefahren werden könnten.

Corona-Virus

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Copy link