Kokainkonsum soll öffentlich gemacht werden, wenn er angeblich einen ehemaligen FPÖ-Politiker betrifft, nicht aber, wenn der Verantwortliche für die milliardenschweren Staatsbeteiligungen von Vorwürfen betroffen ist. So lautet die absurde Argumentation von Falter-Chefredakteur Florian Klenk.

Foto: Marce Verch / flickr (CC BY 2.0)
Wilder Journalisten-Streit nach Veröffentlichung von Gudenus-Fotos beim Drogenkonsum

Die Kurier-Veröffentlichung von Informationen aus einem Bericht der „SOKO Tape“ im Bundeskriminalamt samt Fotos, die den ehemaligen FPÖ-Politiker beim Konsum von Kokain zeigen sollen, sorgt für bemerkenswerte Reaktionen. Vor allem Journalisten äußern sich zahlreich, politisch zieht die FPÖ daraus ihre Schlüsse.

Streit zwischen Falter-Chef und Standard-Journalist

Gegenpole in der Debatte sind zwei Journalisten, die ideologisch beide im linken Spektrum verortet werden: Florian Klenk vom Falter und Fabian Schmid vom Standard. Kern der Aufregung ist der Umstand, dass gegen Gudenus kein Drogen-Verfahren anhängig und die Veröffentlichung der Bilder des vor mehr als einem Jahr aus der Politik völlig zurückgetretenen Privatmann medienrechtlich höchst umstritten ist.

Klenk für Veröffentlichung gegen „Drogen-Hardliner“ Gudenus

Klenk rechtfertigt dennoch in einer ganzen Serie von Tweets die Veröffentlichung in dem ÖVP-nahen Medium. Primär argumentiert er damit, die Veröffentlichung wäre Gudenus zuzumuten, weil er selbst als Politiker immer ein hartes Vorgehen gegen Drogenkonsumenten gefordert habe.

Gleichzeitig für Schonung von ÖBAG-Vorstand Schmid

Dieser Umstand wiegt für den Falter-Chefredakteur schwerer als Gudenus‘ Rückzug ins Privatleben. Diese Sichtweise hatte er bereits am 6. Juni angedeutet, als er Kritik an einer profil-Veröffentlichung über ein angebliches Drogenverfahren gegen den aktuellen Alleinvorstand der Staatsholding ÖBAG, Thomas Schmid, eine der engsten Vertrauten von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), äußerte.

ÖBAG-Vorstand verwaltet milliardenschwere Beteiligungen

Thomas Schmid jedoch ist keineswegs zurückgetreten. Im Gegenteil: Er ist verantwortlich für staatliche Unternehmensbeteiligungen im Wert von rund zwanzig Milliarden Euro. Dennoch hätte Klenk seine angeblichen Drogenprobleme lieber unter den medialen Teppich gekehrt. Dieser Widerspruch rief den Standard-Journalisten Fabian Schmid auf den Plan

Twitter-Nutzer vermuten ÖVP-Strategie

Die wahrscheinliche Strategie hinter der Veröffentlichung wurde im Journalisten-Diskurs kaum angesprochen, wohl aber von anderen Twitter-Nutzern:

Auf diesen Vorwurf ging Richard Grasl, Mitglied der Kurier-Chefredaktion, wenig überzeugend ein. Die Mitglieder der freiheitlichen U-Ausschuss-Fraktion antworteten auf ihrem Twitter-Kanal „Der schwarze Faden“:

ÖVP-Vernebelungsstrategie vor Kurz-Einvernahme

Die FPÖ nahm die Kurier-Geschichte auch zum Anlass für zwei Presseaussendungen. Fraktionsführer Christian Hafenecker, der noch am Dienstagvormittag in einer Pressekonferenz eine Vernebelungs-Strategie vor den nächste Woche anstehenden Einvernahmen wesentlicher ÖVP-Akteure wie Kanzler Sebastian Kurz oder Finanzminister Gernot Blümel angekündigt hatte, fühlte sich durch den Bericht in seiner Befürchtung bestätigt. Überraschend sei nur, „dass man offenbar völlig darauf verzichtet, Spuren zu verwischen, und die Nebelgranate über die inoffizielle Parteizeitung Kurier zündet“.

FPÖ sieht Gudenus als Vorbild für ÖBAG-Schmid

Angesichts der gegen Gudenus erhobenen Anschuldigungen stellte Hafenecker fest, dass dieser unmittelbar nach der Veröffentlichung des Ibiza-Video von allen Ämtern und Funktionen zurückgetreten sei und seine politische Karriere beendet habe. „Ein derart einsichtiges und konsequentes Verhalten würde man aktuell von jenem Mann erwarten, der rund 20 Milliarden Euro an Staatsbeteiligungen, also die wirtschaftlichen Schätze der Republik verwaltet“, verwies Hafenecker auf die aktuellen Drogenvorwürfe gegen ÖBAG-Alleinvorstand Thomas Schmid, einer der engsten Vertrauten von Kanzler Kurz.

Hafenecker fordert sofortige Auflösung der SOKO Tape

Am Mittwoch legte Hafenecker nach und forderte angesichts des „Leaks“ die sofortige Auflösung der SOKO Tape. „Anstatt kriminalpolizeilicher Arbeit im Interesse der Republik betreibt die SOKO Tape nur Öffentlichkeitsarbeit im Interesse der ÖVP“, fasste Hafenecker das Wirken der Truppe und insbesondere ihres Leiters Andreas Holzer zusammen.

Kokain

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