Es raschelt im Blätterwald der etablierten Medien, denn der Spiegel ist wieder einmal mit „Fake News“ aufgeflogen. Konsequenzen wie etwa Facebook-Sperren dürfte es jedoch keine geben.

Foto: stevepb / pixabay.com
„Spiegel“ muss sich für „Fake News“ entschuldigen

Der Spiegel hatte in seiner unobjektiven Berichterstattung über Corona-Brennpunkte auf Mallorca Fotos von überfüllten Stränden gezeigt, die aber nicht aus diesem Jahr stammten. Anscheinend wollten die Journalisten auf diese Weise das Klischee von angeblich rücksichtslos feiernden, biodeutschen Ballermann-Urlaubern untermalen. Mit einer Entschuldigung redet sich das Blatt nun heraus.

Der Spiegel und die Denkschablonen

Auf Twitter entschuldigte sich das einstige „Sturmgeschütz der Demokratie“ für diese Panne, die jedoch mehr als nur einen Flüchtigkeitsfehler darstellt. Zeigt sie doch, dass das Kernproblem, Bilder und Inhalte redaktiosintern allzu bereitwillig für wahr zu halten, wenn sie zu den inneren Denkschablonen passen, beim Spiegel nach wie vor fortbesteht. Alteingesessene Leser kennen das noch vom Fall Relotius.

Bemerkenswerterweise folgte, anders als es bei den freien Medien und bei kritischen Bloggern der Fall ist, hier keine Sanktion seitens Facebook, etwa durch Sperren der Seite oder durch öffentliche Anzweifelung der Glaubwürdigkeit als „dubiose Quelle“. Gerade beim Spiegel mit seinem Archiv, seiner legendären Dokumentation und seiner großen Infrastruktur sollten eigentlich ganz andere Sorgfaltspflichten gelten als bei kleinen Ein-Mann-Redaktionen; gerade nach der Relotius-Affäre vor zwei Jahren. Und was die von der Zeitschrift angekündigten internen „Strukturreformen“ eigentlich gebracht haben, fragte auch keine Mainstream-Zeitung.

Wo waren eigentlich die „Faktenchecker“?

Ob sich hier übrigens die zweifelhaften „Faktenchecker“ von Correctiv und dpa vornehm zurückhielten, und das Kennzeichnen des Spiegel-Beitrags mit dem manipulativen Bildmaterial als „Falsch-Info“ bewusst vermieden, müsste auch noch geklärt werden. Der Spiegel jedenfalls schob das Ganze auf die Fotoagentur. Wie praktisch.

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