Ist mit den „Corona-Apps“ die Privatsphäre ausreichend geschützt? Ein Blogger hat die beiden „Corona-Apps“ aus Östereich und Deutschland untersucht und verglichen.

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Die österreichische und die deutsche „Corona-App“ im Vergleich

Das Coronavirus hat Europa seit Anfang des Jahres fest im Griff. Mit verstärkter Ausbreitung des Virus wurden die Rufe nach einer diesbezüglichen App lauter. Im März war es so weit: Als erstes europäisches Land konnte Österreich eine „Corona-App“ auf den Markt bringen. Die sogenannte „Stopp-Corona-App“ wurde seitdem mit einigen neuen Funktionen ausgestattet.

Gastbeitrag von Alexander Baetz

Im Juni war es auch in Deutschland so weit: Die „Corona-Warn-App“ wurde eingeführt. Da die deutsche Version viel mehr Downloads verbuchen kann als das österreichische Pendant, haben wir einen genaueren Blick auf die Apps geworfen. Was dabei herauskam, lesen Sie in diesem Artikel.

Die österreichische „Stopp-Corona-App“ im Überblick

Die „Stopp-Corona-App“ kann seit März in „App Stores“ heruntergeladen werden. Einmal installiert, läuft sie automatisch im Hintergrund mit. Begegnen Sie einer Person, die die App ebenfalls nutzt, wird dies durch einen digitalen „Handshake“ dokumentiert. Dabei werden keine persönlichen Daten weitergegeben.

Wird einer der beiden Kontakte anschließend positiv auf das Coronavirus getestet, werden alle Personen, die in den letzten zwei Tagen Kontakt zu ihm hatten, informiert. So soll verhindert werden, dass sich das Virus unbemerkt verbreitet.

Das Rote Kreuz ist in Österreich für die App zuständig. Der Quellcode der App kann auf GitHub öffentlich eingesehen werden. Das heißt, dass unabhängige Stellen die App jederzeit auf Schwachstellen oder Datenlecks untersuchen können.

Das Thema Datenschutz spielte bei der Entwicklung der „Stopp-Corona-App“ eine große Rolle und wurde viel diskutiert. Dem Roten Kreuz ist es nicht möglich, die Nutzer der App zu identifizieren. Es müssen keinerlei persönliche Daten eingegeben werden, um sie nutzen zu können.

Melden Sie eine Erkrankung, erhalten Sie über Ihre Mobilnummer eine TAN als Bestätigung. Das soll Missbrauch vorbeugen. Ihre gespeicherten Begegnungen bekommen dann eine anonyme Meldung, dass Sie Kontakt mit einem Infizierten hatten. Dabei wird weder Ihre Mobilnummer, noch das Datum der Begegnung übermittelt.

Obwohl die Daten der Nutzer bestmöglich geschützt werden, blieb der gewünschte Erfolg aus. Lediglich 775.579 Österreicher haben die App installiert (Stand: 6. Juli 2020). Das sind nicht einmal zehn Prozent der Bevölkerung.

Die deutsche „Corona-Warn-App“ im Überblick

In Deutschland ging die „Corona-Warn-App“ im Juni an den Markt. Dort ist das Robert-Koch-Institut für die App zuständig. Über Bluetooth wird der Abstand zwischen zwei Personen, die sie installiert haben, ermittelt. Das Smartphone merkt sich die Begegnung und tauscht verschlüsselte Zufalls-Codes aus. Diese werden dann 14 Tage lang gespeichert und lassen ebenfalls keine Rückschlüsse auf persönliche Daten zu.

Meldet eine Person eine Infektion, werden automatisch alle gespeicherten Begegnungen der letzten 14 Tage darüber informiert. Auch bei der „Corona-Warn-App“ läuft dies anonym und ohne Angaben zur jeweiligen Person ab. Die App gibt dabei eine Einschätzung ab, wie hoch das Risiko ist, sich bei der infizierten Person angesteckt zu haben.

Um die App nutzen zu können, müssen keinerlei persönliche Daten eingegeben werden. Die Nutzung erfolgt also anonym. Alle erhobenen Daten wie die Begegnung mit anderen Nutzern werden verschlüsselt und nur auf dem eigenen Smartphone gespeichert. Die Behörden haben keinen Zugriff auf die Daten. Der Quellcode der App ist ebenfalls auf GitHub zu finden.

Bisher haben 16,4 Millionen Deutsche die „Corona-Warn-App“ heruntergeladen (Stand: 28. Juli 2020). Das sind knapp 20 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Vergleich: Welche App ist besser?

Vergleicht man nun beide Apps, fällt eines auf: In Sachen Datenschutz überzeugen beide. Die Quellcodes sind als Open Source auf GitHub öffentlich zugänglich und können von jedermann eingesehen werden. Bei den zahlreichen Prüfungen wurden keinerlei bedenkliche Schwachstellen gefunden.

Dennoch ist bei den Nutzer-Zahlen ein deutlicher Unterschied zu erkennen. Die österreichische App wird lediglich von knapp zehn Prozent der Bürger genutzt, in Deutschland sind es immerhin 20 Prozent. Deutschland kann also viel mehr Nutzer verbuchen, obwohl die App erst deutlich später auf den Markt gekommen ist.

Die österreichischen Behörden begründen dies damit, dass die App in Deutschland viel stärker beworben wurde. So posierten beispielsweise der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit der App auf ihren Smartphones.

Ein Problem scheint zu sein, dass die App in Österreich schon kurz nach dem Ausbruch von Corona veröffentlicht wurde. Als erstes europäische Land mit einer solchen App wurden die Diskussionen darüber schnell hitzig und verunsicherten die Menschen.

Man ist sich jedoch in beiden Ländern sicher: Die App hilft dabei, Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung des Corona Virus zu verhindern.

Alexander Baetz ist ein 23 Jahre junger, leidenschaftlicher Weltenbummler und arbeitet in einem Start-up. Seitdem er 2018 seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abgeschlossen hat, beschäftigt er sich mit der Privatsphäre im Internet. Was er dabei gelernt hat, zeigen er und seine Freundin Lena auf PrivacyTutor.

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