Resultat der Friedensgespräche mit den Taliban: Die US-Streitkräfte wollen sich bis Ende des Jahres großteils aus Afghanistan zurückziehen.

Foto: Staff Sgt. Michael L. Casteel, U.S. Army. / Wikimedia (CC-BY-2.0)
Die USA reduzieren ihre Truppen um weitere 3.600 Mann

Die Vereinigten Staaten verlassen mit großen Schritten den afghanischen Bürgerkriegsschauplatz. Bis zum November sollen weitere 3.600 US-Soldaten Afghanistan verlassen. Mit Ende des Jahres werden dann weniger als 5.000 US-Militärangehörige an diesem Einsatzort verbleiben, um die afghanische Regierung weiterhin sicherheitspolitisch zu unterstützen. Der schrittweise Abzug der US-Streitkräfte war mit der afghanischen Regierung und den Taliban-Milizen im Februar 2020 vereinbart worden.

Einen kleinen Vorbehalt gibt es noch in Sachen Truppenabbau, der laut US-Verteidigungsministerium konkret von der „Lage im Land“ abhängig gemacht werden soll. So ist der Rückgang der Gewalt eine Voraussetzung für eine Reduktion der US-Truppenpräsenz. Zu diesem Zweck wird das US-Pentagon direkt an den US-Kongress und auch die NATO-Partner herantreten.

Friedensgespräche nach Gefangenenaustausch

Die afghanischen Taliban stellen weiterer Friedensgespräche mit der Zentralregierung in Kabul nach einem Gefangenenaustausch in Aussicht. So sollen 400 als besonders gefährlich geltende Taliban-Kämpfer durch die afghanische Staatsregierung unter Präsident Ashraf Ghani freigelassen werden. Eine afghanische Stammesversammlung hatte am 9. und 10. August diese umstrittene Freilassung der Taliban bereits beschlossen.

Bereits in den vergangenen Monaten waren nicht weniger als 5.000 Taliban-Kämpfer aus Gefangenenlagern und Gefängnissen der Zentralregierung freigelassen worden. Im Gegenzug schenkten Taliban-Milizen rund 1.000 Angehörigen der afghanischen Streitkräfte die Freiheit.

Sicherheitsexperten befürchten Erstarken des Islamischen Staates

Während die Taliban-Milizen in den letzten Monaten gemeinsam mit der afghanischen Regierung offiziell für eine Deeskalation eingetreten sind, befürchten Sicherheitsexperten einen ungewissen Ausgang dieses „Experiments“.

Viele Taliban-Milizionäre sind mit der neuen „Friedenspolitik“ nicht einverstanden und wenden sich den regionalen Einheiten des Islamischen Staates (IS) in Afghanistan zu. Deshalb gibt es die Sorge, dass aus den Reihen der bisher und in Zukunft freigelassenen Taliban bald neue Kampfeinheiten des IS entstehen könnten. Bereits in den letzten Wochen und Monaten waren Ableger des IS in Afghanistan mit zunehmenden Aktivitäten aufgefallen. 

US-Soldaten Afghanistan

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