Schwedens Sonderweg in der Corona-Krise wurde heftig kritisiert. Doch das Ergebnis spricht für das schwedische Modell – und gegen Österreichs Radikalmaßnahmen.

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Lockerheit statt Lockdown: Schwedens Sonderweg auf dem Prüfstand

Ganz aufgeregt titelte der Kurier am Mittwoch: „Corona-Sonderweg: Warum die schwedische Strategie baden ging“. Das überrascht umso mehr, als der Focus nur zwei Tage zuvor geschrieben hatte: „Als ganz Europa das öffentliche Leben herunterfuhr, ging Schweden seinen Sonderweg. Anfangs bestaunt, dann schwer kritisiert, scheint der Solo-Lauf jetzt zu funktionieren.“

Was stimmt jetzt?

Schwedens Corona-Sonderweg

Schweden hatte als einziges westeuropäisches Land weder einen Lockdown, eine Maskenpflicht noch eine Quarantäne für Einreisende verhängt. Diesem Umstand verdankt Schweden, dass seine Wirtschaft deutlich besser durch das Jahr 2020 kam als jene der Eurozone. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal in Österreich um 12,8 Prozent, in der Eurozone um 12,1 Prozent einbrach, waren es in Schweden „nur“ 8,6 Prozent.

Zwar leidet auch Schweden an wirtschaftlichen Einbußen, weil die Exportwirtschaft vom Lockdown der anderen Länder hart getroffen wurde, aber insbesondere die KMU (Klein- und Mittelbetriebe), die hauptsächlich für Schweden selbst arbeiten, kamen relativ gut durch die Krise – genau gegenteilig zu Österreich oder der Bundesrepublik Deutschland.

Herdenimmunität scheint zu greifen

Auf der anderen Seite stehen die Auswirkungen von Covid-19. Schweden beklagt fast 6.000 Todesfälle, die an oder mit dem Coronavirus verstorben sind. Damit liegt die Sterbequote um ein Viertel höher als etwa in den USA. Die Hälfte der Verstorbenen war älter als 70 Jahre und stammte aus Heimen für Alte und Pflegebedürftige. Das Medianalter der Verstorbenen liegt bei 86 Jahren.

Ende Juni zählte die Gesundheitsbehörde, auch bedingt durch hohe Testzahlen, den Höchststand an Neuinfektionen. 2.500 waren es täglich. Dann kehrte sich der Trend um. Schon Anfang Juli gab es keinen Tag mehr mit mehr als 500 Neuinfektionen, jetzt im August liegt die Zahl unter 300. Der R-Wert, also die Zahl, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, ist in Schweden mittlerweile auf 0,6 gesunken.

Kaum Corona-Kranke

Doch infiziert heißt noch lange nicht krank und schon gar nicht schwer krank. Doch auch bei jenen Covid-19-Kranken, die intensivmedizinischer Betreuung bedürfen, gehen die Zahlen in Schweden seit Ende April deutlich zurück.

So auch in Österreich. Auch hier sind lediglich 0,86 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. In den letzten zwei Wochen sind in Österreich mehr Menschen an Verkehrsunfällen als an Covid-19 verstorben. Der R-Wert liegt hierzulande allerdings bei 0,8, also höher als in Schweden.

Zahlen fällen Urteil über Maßnahmen

Während der Virologe Christian Drosten in der Bundesrepublik Deutschland für den teils harten Kurs mitverantwortlich war, in Österreich bis heute unklar ist, wer den Lockdown fachlich verantwortet, steht in Schweden der Staatsepidemiologe Anders Tegnell federführend für den schwedischen Sonderweg. Von Anfang an setzte er auf Eigenverantwortung statt harte Maßnahmen und auf Herdenimmunität. Die Zahlen zeigen, welcher Weg der richtige war, Schwedens Sonderweg oder Österreichs Radikalmaßnahmen.

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