Im Zusammenhang mit der Explosionskatastrophe im Beiruter Hafen vom 4. August 2020 wurden jetzt erste Haftbefehle ausgestellt und umgesetzt.

Foto: Freimut Bahlo / Wikimedia (CC-BY-SA-4.0)
Explosionskatastrophe im Libanon: Haftbefehl gegen bisherigen Zollamtschef erlassen

Langsam scheinen die libanesischen Gerichtsbehörden die Aufarbeitung der Explosionskatastrophe im Beirut vom 4. August 2020 zu beginnen. Aktuell hat ein Beiruter Gericht einen Haftbefehl gegen den bisherigen Zollamtschef der Stadt, Badri Daher, erlassen. Zuvor war der höchste Zollbeamte der libanesischen Hauptstadt viereinhalb Stunden befragt worden. Dieser saß seit dem 7. August 2020, wie dessen Vorgänger im Zollamt Schafik Marhi sowie der Beiruter Hafendirektor Hassan Kuraitim, in Hausarrest.

Bisher wurden insgesamt 16 Verdächtige und Verantwortliche für die Explosionskatastrophe verhaftet. Zollamtschef Daher und Hafendirektor Kuraitim hatten sich in den Befragungen der vergangenen Wochen die Schuld betreffend der Lagerung des Ammoniumnitrats in den Hafenspeichern gegenseitig zugeschoben.

Zollamtschef Daher bereits seit November im Justiz-Visier

Daher ist kein unbeschriebenes Blatt in der korrupten libanesischen Behördenstruktur. Die Beiruter Finanzstaatsanwaltschaft hatte bereits im November 2019 Anklage wegen der Verschwendung öffentlicher Gelder gegen Daher erhoben. Es soll in dieser Anklage um korrupte Vorgänge in der Zoll- und Hafenverwaltung von Beirut gehen.

Inzwischen wächst die Wut in der libanesischen Bevölkerung über die korrupten Behörden in ihrem Land, welche Katastrophen, wie die vom 4. August 2020, erst möglich machen. Warnungen und Hinweise an die Regierung und an das Büro des Staatspräsidenten über die Lagerung hochexplosiver Chemikalien im Beiruter Hafen sollen im Vorfeld ignoriert worden sein.

Staatspräsident Aoun verweist auf komplexe Untersuchungen

Viele Bürger des Libanons befürchten aktuell eine Verschleppung der Untersuchungen im Zusammenhang mit der Explosion des Ammoniumnitrats. Staatspräsident Michel Aoun spricht bereits in diesem frühen Stadium von „sehr komplexen“ Untersuchungen. Diese könnten aus der Sicht des libanesischen Staatsoberhaupts nicht schnell abgeschlossen werden. Das ist wohl auch der komplexen innenpolitischen Lage und dem Einfluss der Hisbollah geschuldet. 

So würden die strafrechtlichen Ermittlungen in drei Teilen erfolgen. Es gelte laut Aoun den mutmaßlichen Eigentümer des Explosionsgutes ausfindig zu machen. Darüber hinaus soll final geklärt werden, woher diese Chemikalien tatsächlich stammen. Und ein eigener Untersuchungskomplex bewege sich rund um die Handhabung der Sicherheit des Materials im Beiruter Hafen.

Beirut Explasion

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