Mattersburg-Bank-Vorstand Martin Pucher war jahrelang unbeaufsichtigt in seinem Tun.

Foto: Steindy (Diskussion) / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)
Commerzialbank Mattersburg: Keine Bankenaufsicht vor Ort über 13 Jahre

Immer neue Eigentümlichkeiten der österreichischen Bankenaufsicht kommen im Zusammenhang mit der Pleite der Commerzialbank Mattersburg (CMB) an die Öffentlichkeit. Wie das Nachrichtenmagazin profil berichtet, soll die zuständige Bankenaufsicht bei der Mattersburg-Bank insgesamt 13 Jahre lang gar keine Prüfung vor Ort durchgeführt haben. Und darüber hinaus sei die CMB insgesamt nur „sehr selektiv“ auf dem Radar der österreichischen Bankenaufsicht aufgeschienen.

Als im Jahre 1995 die CBM den Raiffeisen-Sektor verlassen hatte, führte in zeitlicher Nähe dazu die Österreichische Nationalbank (OeNB) nach eigener Darstellung 1997, 2000 und 2002 drei Vor-Ort-Prüfungen durch, ehe diese Art Prüfungstätigkeit eingestellt wurde. Bis 2015, also 13 Jahre lang, schaute überhaupt kein Aufseher mehr in der „Mattersburg-Bank“ vorbei.

Bankenaufsicht erklärt laxe Prüfungstätigkeit mit Kapazitätsproblem

Die Bankenaufsicht erklärt die insgesamt laxe Prüfungstätigkeit bei der CMB mit einem Kapazitätsproblem. So soll die Ressourcenausstattung von rund 20 Bankprüfern bei der OeNB für circa 800 Banken dazu nicht ausgelegt gewesen sein, in regelmäßigen Abständen jede Bank auch entsprechend zu überprüfen.

Und vor 2008 oblag es laut OeNB allein der Finanzmarktaufsicht (FMA) bzw. vor 2002 dem Finanzministerium, eine Prüfung zu beauftragen. Davon abgesehen habe man sich auch dort auf die Arbeit der Abschlussprüfer verlassen müssen.

Für nicht systemrelevante Kreditinstitute vor 2014 keine Prüfungen

Die FMA betont laut profil, dass vor 2014 die heute gängigen, wiederkehrenden Prüfungen kleiner, bei nicht systemrelevanten Kreditinstituten gar nicht vorgesehen waren. Und Vor-Ort-Prüfungen hätte es überhaupt nur bei konkreten Anlass- oder Verdachtsfällen gegeben.

Und da seitens der OeNB-Datenanalyse nie Auffälligkeiten gemeldet wurden, sah die FMA ihrerseits keine Veranlassung, bei der „Mattersburg-Bank“ entsprechend einzuschreiten. Und 2015, 2017 und 2020 sei die CMB ohnehin wieder geprüft worden.

Martin Pucher

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