Früher ein Bürgerschreck, wird Valerie Export heute von der ÖVP hofiert – und fühlt sich dabei durchaus wohl.

Foto: Manfred Werner / wikimedia.org (CC BY-SA 3.0)
Linksverschiebung der ÖVP: Landeshauptmann Stelzer ehrt Radikalfeministin

Hätte jemand vor 50 Jahren erklärt, die ÖVP werde Waltraud Lehner alias Valie Export den höchsten Orden des Landes Oberösterreich überreichen, man hätte ihn für verrückt gehalten. Doch die Linksverschiebung der ÖVP macht es möglich. Am Dienstag war es soweit.

In „guter“ Gesellschaft mit Nitsch, Mühl und Lenin

Der 1940 in Linz geborenen „Medien- und Performancekünstlerin“ wurde also nun das Verdienstkreuz des Landes Oberösterreich für Kunst und Kultur von Landeshauptmann Thomas Stelzer höchstpersönlich überreicht.

Die „Verdienste“ von Valie Export suchen zugegeben ihresgleichen: Die Lehrerstochter startete imWiener Institut für direkte Kunst“ gemeinsam mit Hermann Nitsch, Otto Mühl, Günter Brus und Peter Weibel, den sie an einer Hundeleine auf allen Vieren durch die Kärntner Straße führte.

Tragende Rolle bei „Uni-Ferkelei“

Bei der „Uni-Ferkelei“ im Jahr 1968, einer verstörenden Fäkal-Aktion des „Sozialistischen Studentenbundes“, hatte Export eine tragende Rolle: Damals hielt Mühl mit einem brennenden Handschuh „bewaffnet“ eine als Vortrag ausgewiesene Schimpftirade gegen die damalige Regierung, insbesondere gegen Finanzminister Stephan Koren, dem im Krieg seine linke Hand weggeschossen worden war. Mühl verspottete ihn in seiner an Lenins Schrift angelehnten Rede „Was tun?“ als Krüppel – und Export hielt ihm dafür das Mikrophon.

Als Kunst getarnte Spanner-Aktion

Im gleichen Jahr lud Export in München Passanten in ihr „Tapp- und Tastkino“ ein: in einen minimalen „Kinosaal“, eigentlich eine Schachtel, die sie vor dem Brustkorb trug. Eintritt nur für zwei Hände – die ihre Brüste abgreifen konnten und sollten.

Für die Arbeit „Aktionshose: Genitalpanik“ wankte sie in einer Jeanshose, aus der im Schritt ein großes Loch geschnitten war, durch die Sitzreihen im Münchner Stadtkino und forderte die Zuschauer auf, ihr zwischen die Beine zu fassen. Später posierte sie mit der Hose, zerzaustem Haar und einem Maschinengewehr für die heute berühmte Fotoserie.

Am Futtertrog angekommen

Heute ist die weit links stehende Feministin zu einer festen Größe im „Betriebssystem Kunst“ geworden, geehrt von der Stadt Wien und der Republik Österreich. Professuren in Berlin und Köln, ein mit Steuergeldern hoch subventioniertes „Valie Export Center, Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst“ in der Linzer Tabakfabrik sowie eine Ausstellung im oberösterreichischen Landesmuseum Francisco Carolinum zeigen, was das politische Establishment, allen voran die ÖVP und ihr Landeshauptmann Stelzer, heute unter Kunst verstehen:

Valie Export ist eine Pionierin. Sie hat sich auf Widerstände eingelassen, war und ist Vorreiterin. Ihr Wirken ist wegweisend und international prägend. Das Land OÖ ist stolz, eine so exzeptionelle Künstlerin auszeichnen zu dürfen.

So exzeptionell, dass sie beim heurigen Prix Ars Electronica als „Visionary Pioneer of Feminist Media Art“ ausgezeichnet wurde: „für eine konsequente feministisch-politische Haltung und deren kongeniale (medien-)künstlerische Entsprechung“.

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