Im Rahmen der Kinder-Rätselsendung “WOW” mit Robert Steiner und der Ratte Rolf Rüdiger (Bild) erklärte der ORF, warum Arbeitsministerin Christine Aschbacher den Hut nehmen musste.

Foto: Martin Skopal / Wikimedia CC BY-SA 4.0
ORF erklärt Aschbacher-Rücktritt: „Sie will nicht mehr weitermachen, weil so viele Leute mit ihr schimpfen“

Der ORF bringt am Samstag im Radio immer einen Wochenrückblick in einfacher Sprache für Menschen mit Lernbehinderungen und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen.

Rücktrittsmeldung in der Kinder-Rätselsendung

Im Rahmen der Kinder-Rätselsendung „WOW“ mit Robert Steiner und der Ratte Rolf Rüdiger berichtete Radio Wien in einfacher Sprache, warum die ÖVP-Arbeitsministerin Christine Aschbacher ihren Hut nehmen musste. Das hörte sich so an:

Eine wichtige Politikerin hört auf. Sie soll als Studentin geschwindelt haben.
Eine wichtige Politikerin ist zurückgetreten. Die Politikerin heißt Christine Aschbacher. Christine Aschbacher hört auf, weil sie als Studentin geschwindelt haben soll. Ihr wird vorgeworfen, dass sie bei zwei Arbeiten von jemand anderem abgeschrieben haben soll. Zum Beispiel bei der Arbeit, für den sie den Titel Doktor bekommen hat. Christine Aschbacher selbst sagt, dass das alles so nicht stimmt. Sie mag als Politikerin aber trotzdem nicht mehr weitermachen, weil so viele Leute mit ihr schimpfen. Christine Aschbacher hat zur Bundesregierung gehört und war vor allem bekannt als Arbeitsministerin. Sie war dafür zuständig, dass es weniger Arbeitslose gibt. Sie war aber auch noch für die Familien zuständig.

Nicht nur als Studentin geschwindelt

So also erklärt der ORF Menschen mit geringen Deutschkenntnissen und Menschen mit Lernbehinderung die Politik. Offenbar nicht nur in einfacher Sprache, sondern auch sonst sehr einfach. Denn die Information hatte auch sachliche Mängel: Abgesehen davon, dass auch diese Radiohörer gerne gewusst hätten, dass die Arbeitsministerin nicht nur “dafür zuständig war, dass es weniger Arbeitslose gibt”, sondern dass sie für die höchste Arbeitslosigkeit in diesem Land seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich ist (freilich im Verbund mit der gesamten Bundesregierung), ist auch die Nachricht, dass Aschbacher nur als Studentin geschwindelt haben soll, faktenwidrig.

Dissertation in der Zeit als Ministerin

Aschbacher, die ins Visier des Plagiatjägers Stefan Weber geriet, weil diesem bei einem Fernsehauftritt der Ministerin deren mangelnde Deutschkenntnisse aufgefallen sind, hätte die Jugendaffäre möglicherweise gerade noch aussitzen können. Doch Aschbacher hat – und das fehlte bei den einfachen Nachrichten im ORF-Radio – auch noch im vorigen Mai, also schon in ihrer Zeit als Ministerin, eine Dissertation an der Technischen Universität Bratislava eingereicht, die ebenfalls großflächig abgeschriebene Passagen enthalten soll. Was Christine Aschbacher in ihrer „persönlichen Erklärung“ zu ihrem Rücktritt allerdings bestreitet.

Kein freiwilliger Rücktritt

Dass Aschbacher als Ministerin nicht ausgelastet gewesen ist, sodass sie Zeit zum Schreiben einer Dissertation hatte, hat nicht nur die Bürger, die aufgrund der Corona-Maßnahmen der Regierung in Existenzangst leben, fassungslos gemacht. Dem Vernehmen nach hat das auch parteiintern für Kopfschütteln gesorgt. Weshalb wohl auch nicht sie selbst die Notbremse gezogen haben dürfte und freiwillig zurückgetreten ist, sondern zum Gehen wohl gedrängt wurde.

Robert Steiner und Rolf Rüdiger / Ratte

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