Die repräsentative Umfrage des Gallup Instituts brachte auch zutage, dass es sich bei den Demonstranten nicht – wie von der Regierung behauptet – um eine obskure Gruppe am Rande der Gesellschaft handelt.

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Kurz und Co haben falsch gepokert: Zustimmung für Demonstrationen wächst

ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz und ÖVP-Innenminister Karl Nehammer, beide assistiert vom regierungsabhängigen Mainstream, haben falsch gepokert. Denn ihr Vorhaben, durch das Diskreditieren der Teilnehmer bei den Corona-Demonstrationen politisches Kleingeld zu sammeln, ging schief.

Medien haben Panik verbreitet

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Eine repräsentative Umfrage des Gallup Instituts in Kooperation mit dem Medienhaus Wien bringt zutage, dass inzwischen 36 Prozent der Bevölkerung Sympathie für Corona-Proteste hat. Zudem steigt – wohl nicht zu unrecht – die Skepsis gegenüber klassischen Medien. 26 Prozent, also ein gutes Viertel, sind sogar der Meinung, Medien hätten Panik verbreitet und maßgeblich zur Eskalation der Krise beigetragen.

Nehammer sprach vom “Sturm auf Versicherungsgebäude”

Wir erinnern uns: Nach der Samstag-Demo am 6. März beeilte sich ÖVP-Innenminister Karl Nehammer, nachdem er bei einer vorigen Veranstaltung haltlos von einem „Sturm auf das Parlament“ berichtete, diesmal über einen „Sturm auf ein Versicherungsgebäude“ zu sprechen. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl konnte diese falsche Behauptung in einer Pressekonferenz anhand von Videomaterial und Fotos sofort widerlegen. Die Menschen hatten kein Gebäude gestürmt, sondern sie wurden auf ihrem Heimweg nach der Veranstaltung im Prater eingekesselt, woraufhin eine Gruppe durch eine Tiefgarage einen Fluchtweg suchte.

Kurz beschmipfte Teilnehmer als “Antisemiten” und “Hooligans”

Im Parlament nutzte dann ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz die Sondersitzung zum Weltfrauentag dafür, die zehntausenden Demonstranten als „Antisemiten“ und „Hooligans“ zu beschimpfen. Und die Medien transportieren das auch noch breit in die Öffentlichkeit. Ein sensationelles Video widerlegte die Darstellung von Kurz.

Unzufriedenheit über Corona-Politik

In den sozialen Medien wurde ein gänzlich anderes Bild gezeichnet. Eine im Wesentlichen sehr friedliche Kundgebung, bei der unzufriedene Menschen ihre berechtigten Sorgen auf die Straße brachten und „Kurz muss weg“ skandierten. Dass es sich dabei nicht um die von Kurz und Nehammer beschriebene Gruppe am Rande der Gesellschaft handelt, hat diese Untersuchung ebenfalls gezeigt.

Skepsis gegenüber Berichterstattung in klassischen Medien

Von Märchen lassen sich die Österreicher offenbar nicht beeindrucken. Denn mit 36 Prozent macht der Anteil jener, die für die Proteste Verständnis zeigen, bereits über ein Drittel aus. Gleichzeitig nimmt auch die Skepsis gegenüber der Berichterstattung klassischer Medien in Bezug auf die Pandemie zu.

Das Gallup Institut erhebt seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 regelmäßig die Stimmungslage sowie die Mediennutzung in der Coronakrise. Für die aktuelle Umfrage wurden 1.000 Personen zwischen 18. und 22. Februar online befragt. Sie ist repräsentativ für die webaktive Bevölkerung ab 16 Jahren.

Keine obskure Gruppe am gesellschaftlichen Rand

Die jüngsten Ergebnisse wurden vor allem mit den Antworten aus der November-Befragung – also rund um Beginn des zweiten Lockdowns – verglichen. Zwar war auch das Verständnis für die Demos im Herbst mit 29 Prozent schon relativ hoch, allerdings ist diese Gruppe seither eben noch einmal signifikant angewachsen. “Die sind zwar nicht alle auf der Straße”, unterstrich Andrea Fronaschütz, Leiterin des Gallup-Instituts, in einer Online-Pressekonferenz. Allerdings zeigten die Zahlen: Die Demo-Sympathisanten seien “keine obskure Gruppe am gesellschaftlichen Rand“.

Demo 6. März Prater

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