Der Schauspieler Jan Josef Liefers wuchs in der DDR auf. Deshalb nimmt er totalitäre Stimmungen viel besser wahr als die meisten Menschen in der alten BRD und in Österreich.

Foto: Martin Kraft / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Jan Josef Liefers: „Klar, man kann alles sagen, aber nicht ungestraft“

Vor zwei Wochen sorgten 50 Schauspieler mit der Aktion #allesdichtmachen für Aufmerksamkeit in der Corona-Krise. Sie hatten mit ihrer Kritik an der Corona-Politik der Regierungen in Wien und Berlin an Tabus gerüttelt.

Angedrohte Existenzvernichtung

Es setzten jene Mechanismen ein, die man aus totalitären Staaten kennt: Kollegen im Solde des Staates, wie der beim Publikum umstrittene Jan Böhmermann, zogen über die Schauspieler her, einflussreiche Entscheider, wie der WDR-Rundfunkrat und frühere SPD-Minister Garrelt Duin, forderten das Ende der „Zusammenarbeit“, gemeint keine Arrangements mehr für die Schauspieler, also Existenzvernichtung.

Das wirkte. Viele Schauspieler zogen ihre Videos dann unter blumigsten Begründungen zurück. Wie im „real existierenden Sozialismus“ in der DDR und der Sowjetunion beschuldigten sie sich selbst, nicht gewusst zu haben, was am Ende der Drehaufnahmen herauskommen würde und bloß nicht der „falschen (gemeint rechten) Seite“ zuspielen zu wollen. Die Lust am Tribunal wurde von den linken Medien wieder einmal voll ausgelebt.

„Tatort“-Rebellen bleiben standhaft

Aber nicht alle knickten ein. Allen voran der in der DDR aufgewachsene „Tatort“-Star Jan Josef Liefers, einer der Initiatoren der Kampagne. Er erklärte:

Das wurde uns ja schon im Osten immer gesagt: Wer die DDR kritisiert, der spielt dem Klassenfeind in die Hände. Heute heißt es: Wer Corona-Maßnahmen kritisert, spielt den Rechten in die Hände. (…)

Seine DDR-Vergangenheit lässt ihn solche Mechanismen leichter erkennen als es jenen im Westen gelänge:

Ich glaube, wir sind alle davon geprägt, was wir erlebt haben. Wenn man in der DDR gelebt hat, wo alle Zeitungen fast das Gleiche geschrieben haben, hat man natürlich eine spezielle Wahrnehmung dafür.

Wie Meinungsfreiheit heute bedoht wird

Dass Liefers und Co mit ihren Videos ins Schwarze getroffen haben, zeigte der jüngste „Tatort“. Er brach alle Zuschauerrekorde des heurigen Jahres. Eine Art Dank an Liefers und Brüggemann? Dank für ihre Aussage, ihre Standhaftigkeit und ihr stellvertretendes Stehen. Denn Liefers weiß und wusste schon vor Veröffentlichung der Videos genau, wie die Herrschenden reagieren:

Der Satz, man könne heute alles sagen, ist auch ein wenig blauäugig. Klar, man kann alles sagen, aber nicht ungestraft. Das sind kleine Vernichtungsszenarien, die da aufgebaut werden von Leuten, die das offensichtlich gut können. (…) Es geht oft gar nicht um Meinung, sondern um Ausgrenzung, perfide Bestrafungsaktionen. Man sitzt nicht im Knast, aber gequält wird man auch.

„Drei Schritte der doofen Debatte“

„Tatort“-Autor und -Regisseur Dietrich Brüggemann legte auf Twitter noch nach und erklärte die „drei Schritte der doofen Debatte“:

1. Eine Position wird tabuisiert (zumeist als “rechts”).
2. Nähe dazu wird skandalisiert.
3. Der Skandal wird thematisiert.
Also: “Sie leisten bösen Positionen Vorschub und wurden dafür heftig attackiert. Wie geht es Ihnen mit den Attacken?”

— Dietrich Brüggemann (@dtrickb) May 5, 2021

Jan Josef Liefers2

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