Kurz allein zuhause. So könnte dieses Bild (nicht ohne Symbolcharakter) interpretiert werden. Doch auch wenn sich immer mehr vom Kanzler abwenden, die Krone lässt ihn nicht im Stich.

Foto: Andy Wenzel / BKA
Zeitung als Schutzpatron für „heiligen“ Sebastian: „Liebe Krone, hilf´ mir bitte”

Dass Österreich in ausländischen Medien bereits als „Bananenrepublik“ (Der Stern) bezeichnet wird, braucht einen nicht zu wundern, schlägt man am Sonntag die Kronen Zeitung auf. Da wird dem Mann, dem eine Anklage wegen Falschaussage droht, ein breites Interview zur Verteidigung „geschenkt“ und der berühmteste Kolumnist des Blattes, Michael Jeannée, interessiert sich für die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) überhaupt nicht, denn er beschwört die Österreicher, bei möglichen Neuwahlen gleich Sebastian Kurz die Absolute zu verpassen. Unzensuriert berichtete.

Als “unabhängige” Zeitung auf der Seite eines Politikers

Deutlicher als die Krone kann sich keine „unabhängige“ Zeitung auf die Seite eines Politikers stellen, der – aus eigenem Verschulden – mit dem Rücken zur Wand steht und ums politische Überleben kämpft.

Da bleibt nur noch die Frage zu klären, ob Kurz die Kronen Zeitung um die Möglichkeit des Interviews bat, etwa mit einem Anruf und den Worten „liebe Krone, hilf´mir bitte in dieser schweren Zeit“, oder ob es umgekehrt war, sich die Krone als Schutzpatron ihres „heiligen“ Sebastian angeboten hat.

Kurz-Freundin rät: “Das darf man sich nicht gefallen lassen!”

Unterm Strich wird es egal sein. Der ÖVP-Kanzler durfte aufgrund der Fragestellung der Redakteurin Conny Bischofberger alle Register ziehen, um sich den Lesern sympathisch darzustellen.

In dieser Not erinnerte sich Sebastian Kurz sogar an seine Freundin Susanne, die sonst eigentlich nie in Erscheinung tritt. Für die Krone aber machte er eine seltene Ausnahme, verriet, dass jetzt auch seine Lebenspartnerin in die tagespolitische Debatte eingestiegen sei und ihm sagte:

Das darf man sich einfach nicht gefallen lassen.

Was sich Kurz nicht gefallen lassen dürfe, sagte weder seine Freundin, noch er selbst. Die Ermittlungen? Die Rücktrittsaufforderungen? Die schlechte ausländische Presse? Vielleicht meint das junge Paar alle drei Möglichkeiten. Einem Kanzler darf man doch nicht an das Bein pinkeln!

“Beschuldigter” Doskozil wird von ÖVP heftig kritisiert

Allerdings, und da wird die Kurz-ÖVP schon wieder unglaubwürdig, gehen die Schwarzen im Burgenland ziemlich schonungslos gegen SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil vor. Dieser soll ebenfalls in einem Untersuchungsausschuss im Landtag eine Falschaussage getätigt haben, auch gegen Doskozil wird deshalb ermittelt, auch er ist Beschuldigter. Was ist der Unterschied? Komisch: Auf das wurde Kurz im Krone-Gespräch nicht angesprochen.

Auch Interview nicht ohne Widerspruch

Schließlich schafft es Kurz trotz aller Mühe auch in diesem Interview nicht ohne Widersprüche. Er sagte, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, daher habe er sich mit der Frage, ob er sich einen Anwalt nehmen sollte, noch gar nicht beschäftigt.

Ein paar Zeilen weiter widerspricht sich Kurz selbst, indem er sagt, dass er über seine Causa bereits mit zahlreichen Juristen und mehreren Universitätsprofessoren gesprochen hätte – sich also mit „dieser Frage“ sehr wohl intensiv beschäftigt hat.

Sebastian Kurz

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