ÖVP-Innenminister Karl Nehammer musste bei der Pressekonferenz zugeben, dass nur drei Langwaffen sichergestellt wurden und diese auch legal im Besitz der Verdächtigen waren.

Foto: BMI / Jürgen Makowecz
Journalisten zerlegen Nehammers „geplanten Terror-Krieg gegen Polizei“

Keine Splitterbomben, keine Molotowcocktails, keine Festnahmen, keine Untersuchungshaft – vom „geplanten Terror-Krieg gegen die Polizei“, die ÖVP-Innenminister Karl Nehammer martialisch über die Kronen Zeitung ausrichtete und damit – wieder einmal – Angst und Schrecken in der Bevölkerung verbreitete, blieb nicht viel übrig.

Splitterbomben gegen die Polizei

Die Krone titelte: „Schlag gegen Radikale: Corona-Leugner planten Terror-Krieg gegen Polizei“. Diesen Artikel untermauerte Nehammer dann noch in einer Pressekonferenz, in dem er von einer Gruppe sprach, die Verabredungen traf, dass man Splitterbomben baue, Molotowcocktails und mit diesen die Polizei angreife.

Journalisten verwundert

Eine ORF-Journalistin konfrontierte Nehammer daraufhin damit, dass weniger als zehn Waffen gefunden wurden und dass die mutmaßlichen Täter gar nicht in Haft seien und fragte:

Woher kommt dann diese Annahme einer terroristischen Vereinigung? Ich meine, die sind ja nicht einmal in Haft.

Nun redete sich Nehammer auf die Justiz aus:

Zum einen ist das Sache der Justiz. Wir haben die Festnahme-Anordnungen und Hausdurchsuchung-Beschlüsse ja durch die Staatsanwaltschaft und durch einen unabhängigen und weisungsfreien Richter erhalten.

Für ihn sei es keine Kleinigkeit, dass es Ziel einer Gruppe gewesen sei, am 15. Mai Polizeikräfte massiv und brutal anzugreifen.

Waffenbesitz war legal

Eine Frage von einer ATV-Journalistin stellte Nehammer dann endgültig bloß: Er musste nämlich zugeben, dass nur drei Langwaffen gefunden wurden und dass der Waffenbesitz legal war. Und auf die Frage einer weiteren Journalistin, ob die Waffenbesitzer Jäger oder Sportschützen waren, gab Nehammer keine Antwort. Würde die Vermutung nämlich zutreffen, dass es sich um Sportschützen handelt, würde auch die Munitionsanzahl von tausend Schuss nichts Außergewöhnliches sein.

“Verbreitet Nehammer schon wieder Märchen?”

Unter dem Titel „Splitterbomben gegen Polizisten – verbreitet Innenminister Nehammer schon wieder Märchen“ hat Info-Direkt-Chef Michael Scharfmüller ein hörenswertes Gespräch mit dem freien Journalisten Florian Machl, der in der Szene recherchierte, geführt. Auch sie wunderten sich, dass die von Nehammer als „ach so gefährliche, bewaffnete Untergrund-Miliz“, die Polizisten offenbar sogar töten wollte, noch auf freiem Fuß ist. Hier der Podcast:

Haben auch Journalisten Vertrauen in Nehammer verloren?

Es scheint so, als hätten auch die Journalisten das Vertrauen in den ÖVP-Innenminister verloren, nachdem dieser sowohl den „Sturm auf das Parlament“ als auch den „Sturm auf ein Versichungsgebäude“ erfunden hat und auch, übrigens gemeinsam mit ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz, die Unwahrheit über einen von „rechtsextremen Corona-Leugnern“ verletzten Wachmann verbreitete, obwohl sich dieser – wie sich herausstellte – beim Stolpern selbst den Fuß brach.

Plumpe Ablenkungsmanöver

Man fragt sich schön langsam, was diese plumpen Ablenkungsmanöver von Karl Nehammer bewirken sollen? Agiert er womöglich parteipolitisch und versucht er mit Blick auf die “rechtsextreme Szene” von den Ermittlungen gegen bereits dutzende ÖVP-Funktionäre inklusive Kanzler Kurz und Finanzminister Gernot Blümel abzulenken?

Karl Nehammer

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