Viktor Orbán schafft es, was Österreich nicht schafft – Die nationale Tragödie der Friedensdiktate in Gedächtnis zu rufen.

Foto: European People´s Party / flickr.com (CC BY 2.0)
101 Jahre Friedensdiktate – Warum schafft Österreich nicht, was Ungarn schafft?

Heute, am 4. Juni 2021, jährt sich für unsere ungarischen Nachbarn zum 100. Mal der „Friedensvertrag“ von Trianon. Während das ungarische Volk auch über die Grenzen hinaus an diesem Tag Zusammenhalt zelebriert, ist das Friedensdiktat Österreichs, der Vertrag von Saint-Germain, völlig in Vergessenheit geraten.

Grenzen rissen Volk auseinander

Nach dem Ersten Weltkrieg beschlossen die Siegermächte, allen voran England und Frankreich, dass das Kaiserreich Österreich-Ungarn, das in solcher Form seit dem Ungarischen Ausgleich 1867 bestand, zerschlagen wird. Sowohl beim neuen Einzelstaat Ungarn, als auch bei Österreich, wurden dabei ethnische Grenzen massivst missachtet (wie auch bei anderen Grenzziehungen dieser Kolonialmächte weltweit, etwa das auf fünf Staaten zersplitterte Kurdengebiet). Die daraus entstehenden Konflikte in ganz Europa – auch die Kriegsverlierer Deutschland, Bulgarien und das Osmanische Reich waren betroffen – bildeten einen der Hauptgründe, die zum Zweiten Weltkrieg führten. Bis heute verlaufen Grenzen so, dass uralte staatliche Einheiten und das Volk getrennt sein müssen (z.B. das von Russland seit 1945 okkupierte Ostpreußen rund um Königsberg oder das heute weitgehend polnische Westpreußen mit Danzig).

Ungarn schöpft Kraft aus der Tragödie

Ungarn hat jedoch in den letzten elf Jahren unter der Herrschaft von Ministerpräsident Viktor Orbán den Vertrag von Trianon den Menschen ins Gedächtnis gebrannt. Es werden nicht etwa revisionistische Reden geschwungen, sondern der Zusammenhalt des Volkes zelebriert. Alle Ungarn, auch außerhalb der heutigen Grenzen, begehen dabei würdige Erinnerungs- und Festakte. Am 4. Juni, einem offiziellen Trauertag in Ungarn, steht das Land still und hält zusammen. Trotz dem traurigen Anlass schaffen es die Ungarn, daraus Kraft zu schöpfen und sich ihrer Stärke bewusst zu sein. Wie Ungarn Heute berichtet, erklärte Orbán heute, Freitag, in einem Interview mit dem Radiosender Kossuth Rádió:

Ungarn ist eine Nation, die weit über ihre Grenzen hinausgeht, und ihr geistiger Zusammenhalt ist stärker als zu jeder Zeit in den vergangenen Jahrzehnten. […] Wir wollen nicht als eine Nation leben, die für immer zur Niederlage verdammt ist, und es gibt auch keinen Grund, in einem solchen Gefühl der Niederlage zu leben.

Auch Österreich traf großes Unrecht

Jeder österreichische Patriot kann nur neidisch auf ein Volk hinüberblicken, das solch einen starken Zusammenhalt beweist. Dabei hat Österreich mit dem Vertrag von Saint Germain das gleiche Schicksal erlitten. Nicht nur ethnisch fremde Gebiete wurden durch die Verträge entrissen, sondern auch zahlreiche Volksangehörige, zum Beispiel die Sudetendeutschen und Deutschmährer in Böhmen, wo drei Millionen Deutschen und Altösterreichern (entsprach rund einem Drittel der Bevölkerung Böhmens) verweigert wurde, bei ihrem Mutterland zu verbleiben.

Tirol leidet weiterhin

Doch während viele ungarische Hochburgen wie das Szeklerland im Osten Siebenbürgens weit von der ungarischen Grenze entfernt liegen (Ungarn Heute berichtete), hätte Österreich mit Tirol ein Beispiel, womit man mit Leichtigkeit auf die nationale Katastrophe von vor 101 Jahren eine Gedenkkultur aufbauen könnte. Das alte deutsche Fürstentum Tirol, das über viele Jahrhunderte bestand, wurde bekanntlich willkürlich zerschlagen. Südtirol ist bis heute von Italien einverleibt, mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind aber (trotz massiver italienischer Umsiedlungs-Aktionen) nach wie vor deutschssprachig. Kein Österreicher, der Patriot ist, unabhängig vom Parteibuch, könnte heute behaupten, dass es gerecht ist, dass Tirol nach wie vor die Einheit verwehrt wird.

Nur FPÖ setzt sich für echte Veränderung ein

Es ist völlig unverständlich, warum gerade die ÖVP, die sich so sehr in der Tradition der katholischen Kirche und (wenn auch inoffiziell) des kaiserlichen Österreichs sieht, es verweigert, dieses offensichtliche Unrecht vor der eigenen Grenze zu thematisieren. Einzig und allein die FPÖ war es, die mit der Einführung der Doppel-Staatsbürgerschaft für Südtiroler in der Regierung Schwarz-Blau einen echten Schritt in diese Richtung gewagt hat. Dass dieser Punkt unter Schwarz-Grün wieder aus dem Programm gestrichen wurde, zeigt, dass es der ÖVP nicht um das Volk, sondern nur um den bequemen Machterhalt geht.

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