Thomas Schmid wollte laut SMS-Nachricht nicht “wie der Pöbel” reisen. Jetzt wurde er vom Aufsichtsrat der ÖBAG in die Wüste geschickt.

Foto: Georg Wilke
Die ÖVP-Mauer rund um Kanzler Sebastian Kurz stürzt weiter ein: Jetzt nimmt auch ÖBAG-Chef Schmid den Hut!

„Ich liebe meinen Kanzler“ schrieb Thomas Schmid einst per SMS an Sebastian Kurz, als dieser ihm als neuen ÖBAG-Chef zusicherte, „kriegst eh alles, was du willst“. Jetzt hat er alles verloren, wie es scheint. Denn die Staatsholding teilte heute, Dienstag, in einer Aussendung das Ende der Vorststandstätigkeit von Schmid in der ÖBAG mit.

Einvernehmliche Einigung

In dieser Aussendung heißt es:

Nach intensiven Beratungen innerhalb des Aufsichtsrats ist der Aufsichtsrat gemeinsam mit MMag. Schmid zur Erkenntnis gekommen, dass die sofortige Beendigung der Vorstandstätigkeit von MMag. Thomas Schmid einen notwendigen Schritt für die ÖBAG darstellt. In diesem Sinne hat der Aufsichtsrat in der heutigen Sitzung einer während der vergangenen Tage ausgearbeiteten einvernehmlichen Einigung mit MMag. Schmid zugestimmt. Diese Einigung umfasst die Beendigung der Vorstandstätigkeit zum heutigen Tag sowie den Rücktritt von MMag. Schmid von allen für die ÖBAG gehaltenen Aufsichtsratspositionen in Beteiligungsgesellschaften.

“Liebe zum Kanzler” reichte nicht

Die „Liebe zum Kanzler“ reichte also nicht aus, um den Kopf von Thomas Schmid in dieser gut dotierten und mächtigen Funktion zu retten. Nach Verfassungsrichter Wolfgang Brandstetter, der ebenfalls über Chatprotokolle stürzte, ist Thomas Schmid das zweite prominente Opfer von unappetitlichen Kurznachrichten im engsten Umfeld von Kurz. Diesem brechen nun nach und nach wichtige Eckpfeiler des Projektes „Ballhausplatz“ zusammen.

“Wie der Pöbel reisen”

Nach den Chatprotokollen, in denen sich Schmid und Kurz über hohe Kirchenvertreter lustig machten, sind vor rund einer Woche neue Nachrichten aufgetaucht. In diesen SMS beschwerte sich Schmid etwa darüber, dass er ohne Diplomatenpass nun „wie der Pöbel“ reisen müsse. Laut den in mehreren Medien veröffentlichten Protokollen diskutierte Schmid mit einer Vertrauten auch darüber, in seiner neuen Funktion als ÖBAG-Chef den Betriebsrat „abdrehen“ zu wollen („Und Betriebsrat. Weg damit.“). „Das können wir nicht einfach so machen“, antwortete ihm diese, man müsse „auch andere Ideologien verstehen“. Schmids Reaktion: „Andere Ideologien. Fu… that.“

Scherze über Flüchtlinge

Auch über Flüchtlinge wurde „gescherzt“: Nach der Buchung eines Fluges nach Addis Abeba fragte seine Assistentin Schmid, ob er auch einen Rückflug brauche. Auf seine Frage, ob sie ihn dort lassen möchte, antwortete sie: „Ab Kairo gibt es Schlauchboote.“ Nachdem sie Schmid dann etwas später die Buchung bestätigt hatte, fragte er zurück: „Mit den Flüchtlingen? Smiley.“

Aussendung von Schmids ehemaliger Assistentin

Pikanterie am Rande: Die jetzige Aussendung über den sofortigen Rücktritt von Thomas Schmid als ÖBAG-Vorstand hat ausgerechnet Schmids ehemalige Assistentin und heutige ÖBAG-Kommunikationschefin Melanie Laure verfasst. Mit ihr soll Schmid die meisten jener zweifelhaften Nachrichten ausgetauscht haben, die nun zu seinem Sturz führten.

Fürstliche Abschiedszahlung ?

Laut Aufsichtsratschef Helmut Kern werde der Vertrag nicht ausbezahlt,  zu einer etwaigen Abschiedszahlung wollte er im oe1-Mittagsjournal allerdings keine Auskunft geben. Medienberichten (oe24.at) ist zu entnehmen, dass diese 200.000 Euro ausmachen könnte.

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