Der ehemalige Chronik-Chef der Kronen Zeitung, Thomas Schrems, zeichnet in seinem Facebook-Beitrag ein gar nicht staatsmännisches Bild von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz (Bild).

Foto: Dragan Tatic / BKA
Ex-Krone-Redakteur verrät Intimes über Kurz: Falsche Golfpacks und halbnackte Mädchen im Dachterrassen-Pool

Nicht nur der „Ibiza“-Untersuchungsausschuss bringt Peinlichkeiten von ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz ans Licht. Jetzt hat auch der ehemalige Chronik-Chef der Kronen Zeitung, Thomas Schrems, bizarre Erinnerungen an die Zeit mit Kurz veröffentlicht.

Unter dem Titel „Der Luftballon geht so lange zur Nadel … bis es Puff! macht“ und einem aufgeblasenen Sebastian Kurz als bildliche Verstärkung gibt Schrems auf seiner Facebook-Seite Einblicke in eine Zeit, in der er – als Journalist – mit dem aufstrebenden Politiker auf Reisen war.

Kurz diente sich in der “Höhle des Medienzaren” an

Schrems hatte als Redakteur im Zuge des Kaprun-Unglücks Karriere gemacht und ist von Salzburg zur Krone nach Wien geholt worden. Als dort „mächtiger“ Chronik-Chef beim Kleinformat diente sich Kurz bei ihm an. Schrems erinnert sich:

Du also, damals losgeschickt von deiner Chefin & Innenministerin, um dich im Pressehaus anzudienen, um dich in diesem wahrhaftigen Zentrum der Macht, wie es heißt, vorzustellen (kein Scherz! So war das damals Usus, auch bei Ministern und Konsortien, auch sie mussten allesamt antanzen)… dich vorzustellen also in der Höhle des Medienzaren und freundliche Nasenlöcher machen. Zuallererst natürlich ganz oben, im 16. Stockwerk, beim alten Herrn, wie wir ihn nannten. Dann beim Chefredakteur. Und hinterher bei mir.

Dürfen “Krone”-Redakteure keine Kurz-Chats veröffentlichen?

Heute schreibt Schrems Bücher. Bei der Krone würde er nie wieder arbeiten, sagt er gegenüber unzensuriert. Das Blatt mache offenkundig die reinste Hofberichterstattung für Kurz.

Brisant: Ex-Kollegen der Krone hätten ihn nach der Veröffentlichung seines Facebook-Beitrages angerufen und ihm erzählt, dass es eine strenge Order gebe, die neuesten Chats über Kurz nicht zu veröffentlichen. Offenbar geht es bei den “gekauften Medien” in Österreich noch schlimmer zu, als es ohnehin schon jeder vermutet.

Bei der Kronen Zeitung war es heute, Samstag, nach mehrmaligem telefonischen Versuch nicht möglich, eine Stellungnahme dazu einzuholen.

“Kurz kann jetzt Geld scheissen”

Worum es bei diesen Chats geht? Am 11. April 2016 schrieb Thomas Schmid – damals Generalsekretär und Kabinettschef im Finanzministerium – stakkatoartig rasch hintereinander vier Nachrichten an Blümel: „Ich habe Sebastians Budget um 35 Prozent erhöht“ / „Scheisse mich jetzt an“ / „Mitterlehner wird flippen“ / „Kurz kann jetzt Geld scheissen“. Die lapidare Antwort Blümels: „Mitterlehner spielt (sic) keine Rolle mehr…“

Halbnackte Mädels im Dachterrassen-Pool in New York

Schrems schreibt auf Facebook weiter: „Lustig war das aber schon. Damals.“ Einladungen in teure Restaurants, Luxusreisen, etwa nach New York, „als Du (Sebastian Kurz, Anm. d. R.) und dein späterer Bullterrier in nachmitternächtlicher Laune mich, den Schreiberling, in einer Rooftop-Bar in den Pool zu den halbnackten Mädels werfen wolltet – es dann aber doch bleiben ließet“.

“Mitstrahlen. Wegsehen. Schweigen“

Da könne man als Redakteur nichts anderes tun als: „Genau. Nichts. Mitstrahlen. Wegsehen. Schweigen“. Doch irgendwann vor ein paar Jahren wollte Thomas Schrems, der gebürtige bodenständige Steirer, der plötzlich zum Mitspieler der Wichtigen in diesem Land wurde, nicht mehr so weitermachen. Und jetzt, wo er nicht mehr für diese Tageszeitung arbeitet, plaudert er ein wenig aus dem Nähkästchen.

Bei Reise gegen Produktpiraterie Fake-Golfpacks eingekauft

Schrems weiß zu berichten, dass ausgerechnet bei einer Reise nach Fernost, die unter dem Thema „Kampf gegen die Produktpiraterie“ durchgeführt wurde, „Fake“-Produkte eingekauft wurden. Schrems wörtlich:

Wenn also zum Beispiel bei einer Pressereise nach Fernost (Thema: Kampf gegen die Produktpiraterie) die Delegationsleitung auf dem Rückflug sechs nigelnagelneue Golfpacks dabei hat. Für die Freunde daheim. Spottbillig (weil gefaked). Aber man könnte natürlich argumentieren: Gut, dass WIR die gefälschten Taschen gekauft haben. So sind sie wenigstens vom Markt und keine Gefahr. Oder?

Wurde je eine Zeile darüber oder über dergleichen geschrieben? – Nicht dass ich wüsste. Vielmehr hat es sich auch hier – einmal mehr – bezahlt gemacht, dass nur sorgfältig ausgewählte KollegInnen ausgewählter Medien (auf Regimentskosten, versteht sich) mit an Bord waren.

Skandalbuch über Kurz

Schrems weiß noch viel mehr Intimes über den Kanzler, den er oft auf Reisen begleitete. Wie er unzensuriert verriet, möchte er die wirklich großen Skandale vielleicht einmal in einem Buch zusammenfassen. Das klingt spannend.

Sebastian Kurz / Videokonferenz

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