Kunst war in der Corona-Krise nicht „systemrelevant“ und wich deshalb ins Digitale aus – Unzensuriert

Kunst-Galerien verlagern sich zunehmend in den Online-Bereich, auch und vor allem wegen der Corona-Maßnahmen.

Foto: piaxbay/freephotocc
Kunst war in der Corona-Krise nicht „systemrelevant“ und wich deshalb ins Digitale aus

Kann ein Mensch ohne Kunst überleben? „Ja“ muss man nach der Corona-Krise eindeutig sagen. Denn auch Maler und Schauspieler wurden in den Lockdown geschickt, Galerien und Museen geschlossen – und sie wurden mit Orten wie Schwimmbädern, Wettbüros, Bordellen und Paintballanlagen, die bloß der „Freizeitgestaltung“ dienen, in einen Topf geworfen.

Kunst dient offenbar nur der “Freizeitgestaltung”

Da nützte es auch nichts, dass der Wiener Burgtheaterdirektor, Martin Kušej, pünktlich zum zweiten Lockdown in Österreich ein nicht sonderlich überraschendes Statement ausgesendet hatte, in dem es hieß, dass Kunst Nahrung für alle und dass Kunst selbstverständlich systemrelevant sei.

In der Krise stellte sich aber heraus, dass ein Theaterbesuch, auch in einem Haus wie dem Burgtheater, das sich die Hochkultur auf seine Fahnen heftet, lediglich eine Freizeitgestaltung und nicht wie ein Supermarkt ist, der sich für jeden Menschen als unverzichtbar herausstellte.

Kunst wanderte ins Digitale aus

Die Pandemie hat den Kunstbetrieb, der im Kern darauf basiert, Menschen und Objekte zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zusammen zu bringen, massiv erschüttert. Aber wie jede Krise bot auch diese eine neue Chance. War die Infrastruktur geschwächt, mangelte es nicht an Ideen und Initiativen: „Vernetzen statt Verstecken“ hieß bald das Motto der Kreativen, die im Internet nach Perspektiven der Kunst während und nach Corona suchten.

Schauspieler probierten es mit Lesungen, Musiker mit Konzerten auf Facebook, und auch der milliardenschwere Kunstmarkt wich ins Digitale aus. Im Lockdown bot das Netz vor allem auch jungen, noch nicht so bekannten Künstlern eine Alternative, ihre Werke darzustellen.

Digitaler Raum nur bedingt brauchbar

In den Coronavirus-freien Online-Showrooms, wie es sie beispielsweise bei Singulart gibt,  entwickelte sich bald ein noch stärkeres Paralleluniversum für den Kunstmarkt. Internetkunst half vielen Künstlern, die Corona-Krise nahezu unbeschadet zu überstehen. Der Online-Handel mit Kunst und Online-Kunst-Auktionen boomen. Ein Effekt der Corona-Krise, der aber auch Schattenseiten hat. Künstlern fehlt jetzt nämlich der Austausch und viele Käufer wollen die Werke real anschauen, bevor sie kaufen.

Für den deutschen Bildhauer Olaf Metzel zum Beispiel ist die virtuelle Begegnung mit einem Kunstwerk, wie sie jetzt vielfach ersatzweise angeboten wird, einfach unbefriedigend. In der KulturBühne des bayrischen Rundfunks meinte er:

Ich bin Bildhauer in erster Linie. Man muss um eine Arbeit rumgehen können. Und nicht mit der Kamera umkreisen. Und ich weiß auch noch, dass Sammler, Kunden, Freunde – sie wollen die Arbeit berühren; sie wollen sie sehen, und natürlich spielt das Digitale immer mehr eine Rolle, aber es wird niemals diese Rolle spielen, wie man sich das vielleicht erhofft gegenüber der analogen Situation.

Dennoch dürfte das Allheilmittel für den Kunstmarkt in den Online-Präsentationen sein. Die Verkäufe haben sich 2021 weltweit verdreifacht und machen 37 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Laut einer Umfrage der Art Basel und der UBS-Bank wollen immer noch 70 Prozent der Sammler Kunst real anschauen, bevor sie kaufen.

Tatsächlich sind Online-Auktionen aber nicht mehr wegzudenken. So hat sich im Juli bei Christies mit “A Global Sale” ein Format etabliert, das in einer Live-Auktion im Netz gleich vier Auktionatoren an vier verschiedenen Standorten weltweit agieren ließ. 420 Millionen Dollar wurden so erzielt, immerhin fast genau die Hälfte, die das Auktionshaus im vergangenen Jahr mit zwei Abendauktionen erwirtschaften konnte.

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